Schnuller ade?

Die Krabbe schnullerte schon immer zum Einschlafen, was ich auch okay fand – es machte mir das Leben leichter und ihr etwas schöner. Eigentlich war der Schnuller tagsüber nie besonders wichtig – irgendwann kam sie von den Großeltern wieder und war abhängig. Vielleicht hing es nicht direkt mit den Großeltern zusammen, sondern mit irgendeinem Entwicklungsschub, aber zeitlich fiel es halt zusammen. Seitdem schnullert sie, und schnullert, und schnullert. Mal mehr, mal weniger. In der Kita hörte es bald komplett auf, da schläft sie sogar seit Monaten ohne, bei D. wollte sie ihn auch nicht so dringend, aber bei Mama war es klar: Schnuller.

Ich reduzierte. Verließen wir das Haus, musste die Krabbe den Schnuller abgeben. Funktionierte schnell, aber kaum holte ich sie aus der Kita ab, strahlte sie: „Zu Hause Schulla!“, und sobald wir die Wohnung betraten, sauste sie in ihr Zimmer und stopfte sich das Ding in den Hals. Kein Foto ohne Plastik im Gesicht, kein entspanntes Spielen ohne hektisches Schnuller-Gesuche, kein Essen ohne Schnuller in der Hand. Weihnachten war ich genervt wie nie. Eines Morgens nach Weihnachten erklärte ich spontan: „Krabbe, der Schnuller bleibt ab jetzt im Bett. Du kannst ihn immer besuchen und schnullern, aber nur im Bett.“ Die Krabbe weinte und schrie, dicke Tränen, alles Leid der Welt. Mein Herz schmerzte. Tat ich das Richtige? Nach zehn Minuten versiegten die Tränen, und die Krabbe akzeptierte klaglos. Wenn sie tagsüber nach dem Schnuller verlangte, gingen wir in irgendein Bett in der Wohnung und sie schnullerte dort. Wir spielten in der Folge an den freien Tagen zwischen den Jahren viel im Bett, schauten uns dort Bücher an – ich zweifelte etwas an meinem Konzept, aber irgendwie war es auch gemütlich. War sie außerhalb des Bettes, beschäftigte sie sich hervorragend selbst.

Dann begann die Kita wieder. Die Krabbe kam nach Hause und fragte nicht nach dem Schnuller. Den ganzen Tag nicht. Gestern nicht einmal, als D. sie ins Bett brachte. Ich konnte es nicht glauben. Heute ebenso, als ich sie ins Bett brachte. Sie wird morgen früh 48 schnullerfreie Stunden hinter sich haben. Ich hoffe, sie ist über den Berg. Wie herrlich!

 

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