Kino: #Zeitgeist, Edge of Tomorrow, Höhere Gewalt

zeitgeist

 

Ich gehe irre oft ins Kino und schaue Filme, alleine: ich schreibe nicht darüber. Ich weiß gar nicht, wieso nicht. Deshalb hier eine kurze Zusammenstellung der letzten zwei Wochen, inklusive Bechdel-Test, ist doch klar.

#Zeitgeist

D. hatte Freikarten ergattert, so dass wir uns nachmittags im Multiplex herumtrieben und große Erwartungen hegten. Die vorherigen Filmes des Regisseurs hatten mir gut gefallen- Juno, Up in the Air, Young Adult – und so war ich gespannt. Es ging, das verriet mir der Trailer, um so einige Menschen im Familienkontext, die ganz viel Internet benutzten, was zu Verwicklungen führt. Diese Erwartung wurde erfüllt, sonst war das Ergebnis arg gespalten: D. resümierte einen der besten Filme dieses Jahres, ich war nur genervt. Mein Eindruck von der Botschaft des Filmes: Das Internet ist ein großer Verschlimmerer von Problemen. Wenn es einem eh schon schlecht geht, wird es durch das Internet noch schlechter. Und da in diesem Film ALLE Protagonst_innen arge Probleme hatten, war das Internet Teufel. Gähn. Aber immerhin, der Bechdel-Test wurde bestanden: ich erinnere mich zumindest an eine Szene, in der die Mutter mit ihrer Tochter über den Internetkonsum schimpft.

Edge of Tomorrow

Seit Wochen der erste Film, den ich zu Hause oder bei der entzückenden Cousine L. auf dem Beamer schaute und nicht nach einer halben Stunde einschlief. Ich war wirklich positiv überrascht, denn ich hatte von dem Film bis dato nichts mitbekommen. Ein etwas selbstironischer Tom Cruise, der tausend Tode in einem Krieg gegen Aliens stirbt und ohne Emily Blunt mal gar nichts hinbekommen hätte – fein, fein. Nette Geschichte á la „Täglich grüßt das Murmeltier“ mit Science-Fiction, dafür bin ich immer zu haben. Hat Spaß gemacht.

Trotz einer sehr starken weiblichen Hauptrolle wurde der Bechdel-Test nicht bestanden. Meiner Meinung nach ändert sich nichts in Hollywood-Filmen: wenn überhaupt eine Frau, dann nur sie alleine, und ohne romantische Gefühle geht nichts. Das reicht einfach nicht. Wenn die Welt dargestellt wird, will ich Frauen nicht als Minderheit sehen, so zum Beispiel mit EINER Quotenfrau in einem amerikanischen Squadron in 500 Jahren. Ich behaupte mal, es gibt jetzt schon mehr aktive Soldatinnen in den USA, als mir dieser Film für die Zukunft verkaufen wollte.

Höhere Gewalt

Dieser Film wurde von allen Medien so sehr für die Hinterfragung von Geschlechterrollen gelobt, dass ich mit Frau dekorinnadeln ins Programmkino marschierte. In den kleinen Saal! Über den lache ich sonst nur höhnisch und behaupte, dass ich mir der Leinwandgröße den Film auch gleich zu Hause auf dem Laptop anschauen könnte. Aber kein Feind, kein Ehr.

Nun, der Film plätscherte so vor sich hin. Familie macht Urlaub im Skigebiet, eine Lawine bedroht Leib und Leben. Feige rennt der Vater davon, statt sich rettend vor Weib und Kinder zu werfen. Der Film plätschert weiter, einige Konflikte blubbern so lange auf, bis auch der unbedarfteste Zuschauer merkt: das fand seine Frau dann doch gar nicht gut, bei aller bemühter Toleranz. Irgendwann findet der Mann es auch nicht mehr gut und weint ganz lange. Das war der Teil mit den Geschlechterrollen. Allerdings stellt sich heraus, dass der Kerl eh ein jämmerliches Exemplar ist: Fremdgeher, Workaholic und so, und die Frau ihn deshalb perfide bestraft. Da denkt man: heul doch weiter, du Arsch! Und somit war das mit den Geschlechterrollen dann doch nicht mehr so fancy, sondern eigentlich ganz klassisch. Dann plätschert der Film noch etwas, und alle fahren nach Hause, was aber auch nicht recht klappt. Fazit: Scheiß-Urlaub, aber alle haben etwas gelernt.

Das wird dem Film nicht ganz gerecht, ein paar mehr Facetten hatte er bestimmt, aber das ist bei mir hängengeblieben. Ein netter Film mit ein paar Längen. Erschütternderweise hat er den Bechdel-Test nicht bestanden – zwar kommen so einige Frauen vor, aber die unterhalten sich über Männer. Und das aus Schweden!

Heute Abend: Endstation Sehnsucht auf arte. Mal sehen, was da an Geschlechterrollen vorkommt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde in Kino veröffentlicht und mit , , getaggt.

2 Kommentare zu “Kino: #Zeitgeist, Edge of Tomorrow, Höhere Gewalt

  1. Greta sagt:

    #Zeitgeist gerade gesehen – mir hat der gut gefallen. Ich fand ihn ganz sensibel erzählt und – mehr als ich erwartet hatte – optimistisch, dass wir auch in Zeiten des Internets noch zu echten Begegnungen fähig sind. Und spannend, dass die Frage – was macht das mit uns, dass wir auch ein virtuelles Leben leben – mal in einem Film thematisiert wird. Wenn auch nicht erschöpfend. Ein lieber Gruß!

    • jongleurin sagt:

      Tatsächlich habe ich am Anfang des Filmes auch gefunden, dass die Notwendigkeit für echte Begegnungen ganz schön klar gemacht wird – immer, wenn die Darstellenden texteten statt sprachen, wurde es so leblos. Ich fand es aber zunehmend schwierig, dass das Internet in diesem Film nur für problematische Dinge genutzt wurde und keinesfalls gezeigt wurde, wie bereichernd es sein kann. Aber schon erzählt, da stimme ich dir absolut zu, war der Film!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s