Babys und das große Unbehagen

Es bestätigt sich jeden Tag, was ich schon seit meiner eigenen Kleinkindzeit vermute: ich bin keine passionierte Baby-Mama. Ich mag sie größer. Alles, was die Krabbe lernt, jeder Schritt zur Eigenständigkeit versetzt mich in Entzücken und Stolz und leidenschaftliche Mutterliebe. Nostalgie? Bedauern, dass sie größer wird? Nääää. Die schlimmste Zeit meines Lebens waren ihre ersten drei Lebensmonate. Ich hatte ziemlich sicher eine Art Wochenbett-Depression, gefördert vom abwesenden Papa, der seinen Lifestyle nicht aufgab und von mir forderte, sich anzupassen, wenn ich mich beklagte.

Aber auch generell erinnere ich mich hauptsächlich an lähmende Langeweile kombiniert mit krassester Anspannung. Monate alleine zu Hause. Schlief die Krabbe, schaffte ich es nicht, irgendetwas zu tun – sie könnte ja plötzlich aufwachen. Ich rettete mich in stundenlange Spaziergänge durch den Schnee, irgendwann begleitet durch die Mütter-Kolleginnen. Ab da wurde es etwas besser, aber eben nur deshalb, weil da andere Erwachsenen waren. Mein Kind als Neugeborenes erfüllte mich nicht besonders, es erzeugte im Gegenteil in erster Linie Druck, mit dem ich nicht gut umgehen konnte. Innerlich zumindest, nach außen machte ich einen einigermaßen entspannten Eindruck, glaube ich. Die Krabbe war auch ein sehr entspanntes und tolerantes Baby, außer ein paar Wochen abendliches Schreien machte sie alles fröhlich mit, was die Eltern so unternahmen.

Ich genieße es sehr, dass die Krabbe größer wird. Sicher ist auch das anstrengend, wenn die ersten Trotzphasen kommen und Dinge ausgekämpft werden, wie sie ihre Persönlichkeit entwickelt, wie sie zehn Mal dasselbe Lied vorgesungen haben möchte, aber die Anstrengung ist so viel einfacher für mich zu bewältigen als das Körperliche der Säuglingszeit, dieses Ankleben des Babys an mir. Meine Sehnsucht nach einem weiteren Baby tendiert gen null, aber mit D. hätte ich schon gerne noch Kind(er). Er will es ganz dringend, demzufolge wird es passieren, aber die Babyzeit… mir graut jetzt schon. Ich weiß, dass es anders sein wird, ich bin mit meinem Leben und meiner Beziehung komplett zufrieden. Die Umstände werden anders sein: D. wäre an meiner Seite, durch die Krabbe wäre die Struktur schon da, die in ihrer Babyzeit gefehlt hat, viel mehr Trubel, ich würde nicht noch mal voll stillen. Ich merke an meiner Nichte und meinem Neffen, dass ich nicht jedes Mal nervös werde, wenn sie in der Trage zucken, sondern ich denke: „Ach, dat schläft schon. Und wenn nicht, sehen wir weiter.“ Ich weiß inzwischen, alles geht vorbei, auch die schlimmste Zeit, eingeschlafen wird immer irgendwann, auch Babys verhungern nicht freiwillig, und, um die einzige nachgeburtliche Mail zu erwähnen, die wirklich gestimmt hat: „Es wird immer noch besser.“ Es wird einfacher sein, da bin ich sicher, aber oft habe ich trotzdem ein großes Unbehagen bei dem Gedanken an ein weiteres eigenes Baby. Aber ich habe große Lust auf ein weiteres Kleinkind.

Ach. Wieso kann man sie nicht einfach mit 18 Monaten liefern lassen.

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