Satz mit X

Meine schönen Berlin-Pläne – nichts, aber auch gar nichts ist daraus geworden.

Montags im Büro war mir schon etwas schwummerig, was ich einfach auf eine schlechte Nacht geschoben hatte – laut D. habe ich im Bett quasi rotiert. Komisch fand ich nur, dass ich mich so dünnhäutig fühlte. Jede Bewegung von Stoff auf meiner Haut machte mich ein bisschen wahnsinnig, es war fast unangenehm. Am späten Nachmittag wurde ich wehleidig und diagnostizierte mir selbst einen tödlichen Männerschnupfen, auch ohne Erkältungssymptome. Da ich gleich zur Tante wollte, würde sie mich sicher pflegen.

Das tat sie auch, nachdem ich sie mit Sushi bestochen hatte, aber besser wurde es nicht. Am Abend bat ich um ein Fieberthermometer, und siehe! ich hatte Fieber. Ich staunte. Ich hatte seit Jahren kein Fieber mehr gehabt. Wie ging das nochmal?

Das geht so: Dienstags früh in den Zug nach Hamburg setzen, vier Tage im Bett verbringen, die Krabbe irgendwie mitlaufen lassen (bei der Kita-Abholung Paracetamol nehmen bringt es total, ich kann das sehr empfehlen! Dann ist man erstmal fast fit genug), die Nächte durchschwitzen, den Höhepunkt von 40 Grad Celsius respektvoll jammernd bestaunen, und vor allem – Schmerzen. Mein Gott, wie weh das tat! Gerade wird es besser, aber meine Fresse, das tat weh. Kopf und Nacken fühlten sich an wie mit einem Hammer bearbeitet. Alles andere wäre okay gewesen, aber das sprengte etwas meine Duldsamkeit. Wie vier Tage schrecklicher Kater, nur ohne Besäufnis.

Offensichtlich war ich noch nie länger als zwei Tage krank gewesen, seit ich in Hamburg lebe, ich habe nämlich noch keinen Hausarzt zu Gesicht bekommen. Der Bequemlichkeit halber ging ich heute in die Praxis 20 Meter weiter. Ergebnis: einen Hausarzt habe ich immer noch nicht gesehen, aber ich bin krank geschrieben. Es gibt drei Möglichkeiten, wie dieses Wunder zustande kommt: entweder sehe ich extrem glaubwürdig aus, oder die Empfangsdame ist extrem kompetent, oder die medizinische Versorgung in diesem Stadtteil ist wirklich so unterirdisch wie behauptet*. Egal, ich habe, was ich wollte.

*Delikatere Körperteile lasse ich außerhalb meines Stadtteiles untersuchen, seit ich in der 36. Schwangerschaftswoche bei der Gynäkologin um die Ecke mit Termin zwei Stunden in einem öddeligen zeitschriftenfreien Wartezimmer verbringen musste und danach zum CTG in den Aktenraum abgelegt wurde. Das war mir alles zu authentisch. Seitdem weiß ich von mir: Ambiente! Ich brauche Ambiente. Auch und gerade beim Ärztinnenbesuch.

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Ein Kommentar zu “Satz mit X

  1. Annalisa09 sagt:

    Gute Besserung! Und ein fieberfreies WE

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