Ich bin eine faule Mutter

Mein Kind ist nun 21 Monate alt. Termine hat es nicht, außer der Kita und ab und an mal beim Arzt, und ich habe auch nicht vor, das zu ändern. Auch D. und ich haben keine festen Termine. Wir gehen gerne mal bouldern und jeder für sich macht mal was mit Familie und Freunden, aber eher unregelmäßig und gerne mal spontan. Wenn ich mit dem Kind alleine zu Hause bin, tüdeln wir so rum, bauen Höhlen, kochen, laufen im Kreis abwechselnd den Schnuller in die Heia bringend und jubelnd wieder aufstehen lassend durch die Wohnung (letzteres macht nur das Kind, dabei blättere ich in der Zeitung. Klappt manchmal ganze zwei Minuten!). Seit das Kind immer mehr spricht, wird das Rumtüdeln auch immer netter, wir unterhalten uns so allmählich auch mal. Wenn uns arg langweilig wird, klingeln wir bei den Nachbarn oder gehen zu Fuß zur Bücherhalle, das dauert für die 700 Meter hin und zurück etwa 1,5 Stunden. Spielplätze sind noch nicht so meins, man muss das Kind doch sehr viel hochheben, das macht nur so mittel Spaß. Außerdem habe ich eh nie was für den Spielplatz dabei, weder Sandförmchen noch Feuchttücher noch andere Eltern. Auf den Spielplatz gehe ich mit dem Kind, wenn ich dabei lesen kann. So lange lese ich dem Kind lieber vor.

Ich habe sogar den ersten Kita-Elternabend nicht mitgemacht. Bei dem Gedanken an den Geburtstagskuchen in drei Monaten fühle ich mich jetzt schon extrem gestresst und spekuliere auf D.s Backbegeisterung. Ich bin berufstätig und werde mich sicher nicht an meinen freien Tagen wegen so was aufregen. Das mit dem Haushalt klappt so mittel, aber D. und ich haben auch nur einen wöchentlichen Putzzyklus. Das kriegt man eigentlich hin. Ab und zu kriege ich natürlich auch einen Anfall und will unbedingt was Aufwendiges kochen, Schränke auswischen, eine Party geben, ein Ehrenamt ausüben oder mein Kind fördern, aber das geht meistens schnell vorbei. Falls die Anwandlung anhält, warte ich noch ein wenig ab und gehe das Ganze dann systematisch an, das macht am wenigsten Stress.

Wie ich jetzt darauf komme? Die Kollegin N. hat stöhnend von den drei Geburtstagskuchen erzählt, den sie für den Geburtstag eines ihrer Kinder selbst abends nach der Arbeit gebacken hat. Das werde so erwartet. Ich guckte dabei seltsam und nahm mir vor, in einem solchen Falle einfach drei Kuchen zu kaufen. Geht nicht, stöhnte Kollegin N. weiter, alle backen selber. Joah, können sie ja auch, denke ich. Da bin ich dann froh über den nicht erfolgreich gentrifizierten Stadtteil, hier sind die Erwartungen nicht so stramm.

Außerdem schrieb Herr Buddenbohm darüber, dass jedes Familienmitglied bei ihm nur zwei wöchentliche Termine hat und dass es dadurch zu latenten Überforderungen und permanenten Terminchaossen kommt. Zwei Termine! Das soll mir eine Lehre sein. Keine Termine, ist seitdem mein Credo. Es steht der Krabbe frei, sich einem Verein ihrer Wahl anzuschließen, so lange er fussläufig erreichbar ist. Ihre potentiellen Geschwister müssen dann zu demselben Verein gehen.

Der Plan steht, möge das Leben dem bitte folgen.

 

 

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