Mehr Raum: tschüß, Bett!

Nachdem ich mit der Krabbe und D. umgezogen bin, habe ich plötzlich sehr viel Platz im Vergleich zu der WG vorher. Die Krabbe hat ein eigenes Zimmer, das sie eigentlich nur zum Schlafen benutzt, aber auch so habe ich gefühlt mehr Platz im Schlafzimmer, vor allem nachts. Das ist sowieso riesig, 20 qm bestimmt, und ich freue mich sehr darüber, dass es nicht voll ist. Ich finde die Möbel auch alle schön – es ist wohl das erste Mal in meinem bisher WG-lastigen Leben, dass ich mit meinem Zimmer absolut zufrieden bin! Wobei Schwester 1 einmal formulierte: „Also, du hast ein Zimmer, D. hat ein Zimmer, die Krabbe hat ein Zimmer – das ist doch eine WG!“

D. hat nämlich ebenfalls sein eigenes Zimmer – viel kleiner, aber er hat den Kachelofen und den Balkon bekommen. Dazu gibt es in der Wohnung ein großes Wohnzimmer und eine relativ große Küche , ein Tisch passt bequem rein.

Und jetzt ich. Ich habe sicherlich sechs Wochen gebraucht, um zu verstehen, dass ich tagsüber nicht mehr auf dem Bett rumlümmeln muss, wenn ich gemütlich surfen oder lesen will, denn dazu kann ich jetzt ins Wohnzimmer gehen! Wahnsinn. Das hat ja tatsächlich den Effekt, dass im Wohnzimmer die Sofakissen immer optimal zum Rumlümmeln präpariert sind, und im Schlafzimmer selbige zum Schlafen. Filme schaue ich jetzt auf meinem Beamer, ebenfalls im Wohnzimmer. Anscheinend ziehe ich aus meinem Bett aus. das vorher meinen Lebensmittelpunkt ausgemacht hat, immer. Ich entfalte mich räumlich langsam, aber sicher. Ganz offensichtlich ist das ein Prozess, den man auch ein bisschen befördern muss.

Wenn D. und ich beide in der Wohnung rumtüdeln, kann einer in sein Zimmer gehen, die andere im Wohnzimmer lümmeln, und wir merken gar nicht viel voneinander, außer dass wir uns ab und zu ein paar Kommentare hinüberbrüllen oder ich ihn beim Fußballgucken kurz besuche, um ihn zu beißen oder ihm Chips zu klauen. Schon ganz cool, aber eben anders als in so einem WG.-Zimmer, in dem man sich gegenseitig besucht und den Abend verbringt. Die räumliche Nähe muss aktiv hergestellt werden, sie ist nicht automatisch da. Gewöhnen ist ein Tu-Wort.

Gefühlt reichen die 90 qm, die wir jetzt haben, locker aus, für immer. Sollten mehr Kinder kommen, reicht das immer noch aus. Was soll man denn mit noch mehr Platz? Und doch weiß ich: wir werden auch hier beim Entfalten an den Wänden ankommen und uns vielleicht irgendwann beengt fühlen. Der Mensch ist ein komisches Tier.

 

 

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