Open Air Kino: Der Prozess

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D. hat beschlossen, dass er einen Abend pro Kind-Wochenende fest für die Krabbe sorgen will, damit ich verlässlich raus kann. What a man! Wir einigten uns auf Freitag, und ich zog mit L. los, um das zehntägige Open-Air-Kino in der Nachbarschaft auszunutzen. Die Reihe trägt den euphorischen Titel „Scheitern“, und es lief „Der Prozess“, eine Verfilmung von Kafkas gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1962 mit u.a. Anthony Perkins, Orson Wells, Romy Schneider und Jeanne Moreau.
Vor dem Film las der Moderator noch die Siegerbeiträge des Kurzgeschichtenwettbewerbs zum Thema „Scheitern“ vor. Ich weiß nicht genau, ob die Geschichten gut waren, da der Moderator der schlechteste Vorleser der Welt war und ich mich daher innerlich windend vom Zuhören verabschiedete. Ich bin allerdings im Nachhinein nicht ganz sicher, ob das zum Programm gehörte – das Thema „Scheitern“ also durch das gescheiterte Vorlesen illustriert werden sollte. Das wäre geradezu pfiffig gewesen!
Aber nun zum Film.

Ich zitiere Wikipedia: „Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wird er eines Morgens verhaftet.[1] Josef K. weiß allerdings nicht, wessen die Ermittlungsbehörde und das Gericht ihn beschuldigen. Verzweifelt kämpft er gegen die übermächtige Bürokratie des Justizapparates. Er kann jedoch nicht herausfinden, welche Absicht dieses mysteriöse Gericht verfolgt. Vielmehr muss er erkennen, dass sein Rechtsanwalt dem Gericht eng verbunden ist. Bei dem Versuch, etwas Kontrolle über das Geschehen zu erlangen, gerät er immer tiefer in den Filz aus Justizapparat, Anwalt und verschiedenen Frauen, die in diesem bedrohlichen und beklemmenden Labyrinth aus Abhängigkeiten, devotem Verhalten und unergründlichen Aktenbergen mitarbeiten.“

Ich war sehr, sehr müde, das möge beim Folgenden berücksichtigt werden. Das Buch hatte ich in jungen Jahren einmal begonnen, aber nie beendet. Die Atmosphäre des Films spiegelte sehr gut die Absurdität und die Aussichtslosigkeit der Geschichte wieder, aber es war mir einfach nicht klar, warum der Protagonist so energievoll und ohne Angst in den Kampf gegen die Windmühlen schreitet. Ich kann mich nicht genau erinnern, habe aber von dem Buch etwas mehr Verzweifelung in Erinnerung. Zum Ende hin schimmert das dann auch deutlicher im Film durch… aber mit dem Bezug zu der heutigen Zeit kann ich sagen, dass ich das Sujet nachvollziehen kann, es jedoch sehr viel beängstigender finde als von Anthony Perkins gespielt. Aber nun ja, es sind andere Zeiten… wer weiß – wenn er Internet gehabt hätte und von Edward Snowden gehört hätte, wäre Josef K. vielleicht auch paralysierter gewesen.
In weiten Zügen war mir der Film dann etwas zu absurd und wirkte, als wenn Josef K. einfach auf einem Trip war. Dauernd tauchten schräge Leute in irgendwelchen Ecken der Räume auf, sabbelten merkwürdigen Kram und machten sich an ihn heran… es kam mir mehr wie ein Theaterstück vor als wie ein Film. Ich mag Theater meistens nicht so. Aber immerhin: Romy Schneider war schon eine Zuckerschnute, und ich habe nur ganz selten an Sissy gedacht, wenn sie eine Szene hatte. Und Orson Wells fand ich ziemlich super als fetten, kranken, korrupten Advokaten.
Alles in allem: gut, den Film mal gesehen zu haben, aber er war nicht so ganz meins.

Den Bechdel-Test hat der Film übrigens nicht bestanden – zwar kamen einige Frauen im Film vor, befanden sich aber niemals auch nur im selben Raum.

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