WG mit Kind – ein Resümee

Nach der Trennung vom Papa bin ich für einige Monate in eine WG gezogen. Das schien mir günstig: es waren zwei Zimmer frei, die Mitbewohnenden hatten ein Kind im Alter meines Kindes, es gab einen Garten. Damit verknüpfte ich so einige Erwartungen und Hoffnungen, die sich – so muss ich im Nachhinein zugeben – nicht erfüllt hatten. Hier eine kleine Aufzählung.

1. Die Kinder spielen wonniglich miteinander, was die Eltern irre entlastet.

Nun ja. Die Kinder hatten einen komplett verschiedenen Rhythmus: während meine Krabbe nur noch einen Mittagsschlaf machte, hat der Kollege zwei Tagschläfchen gemacht. Die beiden sind sich im wachen Zustand kaum begegnet. Wenn doch, hat mein kita-erprobtes Kind den zarteren Genossen zu Boden gerungen, was zu fürchterlicher Aufregung bei dem nur Erwachsene gewöhnten Kind und damit bei der Mutter führte. Zuletzt klappte das mit dem Spielen allerdings ganz gut.

2. Man passt jeweils auf die Kinder der anderen Familie auf, während diese joggen oder ins Kino geht.

Hat einfach nie stattgefunden. Die andere Familie hatte zwei Eltern und keinen großen Betreuungsbedarf, ich habe die Krabbe nur die Hälfte der Woche und ertrage es dann doch ganz gut, abends zu Hause zu sein. Seit der Eingewöhnung kann ich auch tagsüber joggen gehen. Davon abgesehen war ich nie so dicke mit meinen Mitbewohnern, dass ich da gerne Hilfe eingefordert hätte.

3. Im ruhigen schönen Garten kann ich Bücher lesen, während das Kind leise spielt.

Ja gut, dass war natürlich naiv, und ich hätte diese Hoffnung auch nie öffentlich zugegeben. Gärten sind in der Großstadt einfach nie ruhig – irgendjemand sägt, hämmert, mäht immer. Und das ruhige Spielen: die Krabbe war in dieser Zeit 9-16 Monate alt. Wissta Bescheid, ne.

4. Ich vereinsame als Alleinerziehende nicht.

Ja, das hätte sogar geklappt. Da kam allerdings das Leben dazwischen: kaum hatte ich die WG zugesagt, kam D. des Weges. Auf einmal fand ich Privatsphäre und lauschige Ein- bzw. Zweisamkeit total erstrebenswert. Ging aber nicht – meine Mitbewohner haben ständig Besuch. Da mein Zimmer so liegt, dass ich immer durch den Gemeinschaftsraum muss, um z.B. aufs Klo zu gehen, habe ich nach einigen Wochen einen Lagerkoller bekommen. Vor allem, als der Vater des Mitbewohners plötzlich in seiner labberigen Feinripp-Unterbux da rum saß, mehrere Morgen hintereinander.

5. Sonstiges

Was ich außerdem nie so erwartet hatte: Das Kind der Mitbewohner geht echt spät ins Bett. Die Philosophie dahinter: das Kind ist immer bei den Eltern, meist im Tuch, holt sich seinen Schlaf, wenn es ihn braucht und geht mit den Eltern ins Bett. Das ist ja ganz charmant, wobei ich persönlich ja die 2-3 Stunden Ruhe abends schätze, wenn die Krabbe im Bett ist. Bei dieser Kombination an Zu-Bett-bring-Modellen bin ich aber überfordert gewesen. Mein Kind war im Bett, vor meiner Tür quäkte noch zwei Stunden ein anderes Kind – das war wirklich anstrengend und nichts für mich. Nebenbei haben die Mitbewohner ständig am Haus rumgewerkelt, was noch mehr Lärm produziert hat.

Das waren die hauptsächlichen Gründe, warum dieses Modell mir nicht ganz behagte. Generell war es mir zu fremdbestimmt und eng, was natürlich durch die unglückliche Zimmeraufteilung noch verstärkt wurde. WG mit Kind kann sicher großartig sein, aber dann muss es entweder ziemlich genau passen (also lieber nicht per Anzeige zustande kommen) oder jeder wirklich viel Platz und/oder Abgrenzungsmöglichkeiten haben. Nun ziehe ich also wieder aus – D. und ich hatten das Zusammenziehen just angesprochen, als die liebe L. um die Ecke kam mit der frei werdenden Wohnung auf der anderen Seite ihres Flures. Und wie D. mitten im nachdenklichen Zaudern sagte: „Gelegenheiten sollte man nutzen!“

Ich habe jetzt die vage Hoffnung, dass eine Konstellation in der zukünftigen Wohnung wie mit Mutterkollegin L. ziemlich gut funktionieren könnte. Die Wohnungen liegen sich auf dem Hausflur direkt gegenüber – in Babyphon-Reichweite sozusagen. Gemeinsame Abende, wenn die Kinder in den jeweils eigenen Betten schlafen, sollten also ohne weiteres möglich sein – aber auch, dass man tatsächlich das eigene Kind in der Obhut der anderen lassen kann, sollte man mal unterwegs sein. Abgesehen davon verstehen wir uns wirklich gut, mit L. habe ich zum Beispiel meinen ersten nicht-solo-Babyspaziergang gemacht.

Nun denn! auf ein Neues. Der Mietvertrag ist angekommen, zum 01.08. geht es los.

 

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3 Kommentare zu “WG mit Kind – ein Resümee

  1. Frau Pingaga sagt:

    Ach nee! 🙂 Hahaha. Das lese ich jetzt erst- nachdem ich Dir den Kommentar bei mir drüben geschrieben habe. 😉 Ist ja lustig. Genau aus solchen Gründen kann ich mir WG eben nicht vorstellen- außer wie Du ja sagst- in getrennten Wohnungen… das klingt doch perfekt mir der Wohnung gegenüber!! Wie läuft es denn?

    • jongleurin sagt:

      Das läuft hervorragend! Zusätzlich haben wir hier im Häuserblock auch noch einen abgeschlossenen, ganz nett gestalteten Innenhof, auf dem immer alle Kinder des Häuserblocks spielen. Also immer genug Spielkameraden für die Krabbe. Sie war den ganzen Sommer gefühlt kein einziges Mal in der Wohnung und geht inzwischen sogar mal alleine in den Innenhof oder zu den Lieblingsnachbarn, wenn ich in der Wohnung tüdele. Das ist sehr herrlich. Die Nachbarstochter ist auch ab und zu bei uns, letztens gab es die erste Übernachtung… also das ist wirklich ein schönes Konstrukt, wie es gerade ist.

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