Teilzeit – eine Erkenntnis

Als ich gerade so in einer Sitzung saß und die Sachbearbeiterin eine ausschweifende Anekdote erzählte, vertrieb ich mir die Zeit mit einer kleinen Rechnung.

Ich arbeite 25 Stunden pro Woche, davon verbringe ich ca. 7 Stunden im Home-Office. Ich bin also durchschnittlich etwa 18 Stunden pro Woche im Büro. In Sitzungswochen wird dabei viel gesessen und getagt: die Referentinnenrunde, die Bürorunde, die AG-Sitzung, die Ausschuss-Sitzung, die Unterausschuss-Sitzung, die offene AG-Sitzung zum Unterausschuss, die Fraktionssitzung sind alleine die fixen Termine. Damit komme ich auf ca 13 Stunden pro Sitzungswoche, die ich faktisch nicht arbeite – zumindest nicht produktiv. Dafür bleiben mir 5 Stunden im Büro, das Home-Office und die sitzungsfreien Wochen, in denen ich aber auch einen recht stolzen Anteil Zeit damit verbringe, Mails zu sortieren. Würde ich Vollzeit arbeiten, blieben mir dafür 20 Stunden pro Woche.

Ich bin, gelinde gesagt, erstaunt. Das war mir vorher nicht klar gewesen. Kein Wunder, dass Arbeitgeberinnen Teilzeit skeptisch betrachten. Und dennoch: glaubt man den Studien, sind Teilzeit-Beschäftigte trotzdem produktiver als Vollzeitlerinnen. Da kann etwas dran sein: ich mache in diesen übrigen fünf Stunden keine Kaffeepausen, so viel ist mal sicher, und Tagungen und Fortbildungen leiste ich mir äußerst selten.

Und da dämmerte es mir: Tada! Da ist sie! Die berühmte Teilzeitfalle! Natürlich müsste ich dennoch ständig auf Tagungen und Fortbildungen rennen, netzwerken, mich zeigen, neue Informationen aufsaugen. Quasi auch unproduktiv sein, aber auf höherem Niveau und mit nachhaltigem Nutzen für mich selber, und sei es nur das nette Büffet im Ministerium. Auch dafür sollte ich meine Kinderbetreuungs-Möglichkeiten einfordern, nicht nur für „Notfälle“, die vielleicht nie eintreten, oder freizeitliche Anfälle von Sportbedürfnis.

Also. Schluß mit der Bescheidenheit – Tagungen und Kaffeepausen, das ist der erste Schritt. Ich werde gleich mal E-Mails sortieren und dabei produktiv auf Tagungseinladungen achten. Das wäre doch gelacht, wenn Teilzeit jetzt auch noch spaßfrei sein soll.

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