Kino: Labor Day

Ab und an übernachte ich in Berlin, wenn ich schon mal da bin. Da spare ich mir zwei Zugfahrten und kann etwas flexibler im Büro sein. Außerdem bieten meine Lieblings-Berlinerinnen mir stets großzügig Schlafplätze und ihre abendliche Gesellschaft an, was ich sehr genieße. Mit C. gehe ich meist klettern und/oder essen – Montag waren wir im Kino und sahen uns “Labor Day” an. Ich hatte gemischte Erwartungen; die Lieblingskollegin war ganz heiß auf den Film, und sie mag schwerere Kost als ich. In der Kindheit gbeutelte Frauen, die beinamputiert durch die syrische Wüste stapfen und lautlos summen, während sie ihre Männer betrügen, das wäre eine Storyline nach ihrem Geschmack. Ich befürchtete Schlimmes. Aber: Josh Brolin! Kate Winslet! Das musste sein.

Es ging wie erwartet los: Kate Winslet ist alleinerziehend und depressiv (natürlich! So ist das halt als Alleinerziehende, danke für den Hinweis nochmal) und traut sich nur selten aus dem Haus. Doch ab und zu, man kennt es, braucht der Nachwuchs neue Klamotten, ein Feiertag steht vor der Tür, also schleppt man sich in einen Supermarkt. Dort treibt sich der flüchtige Sträfling Frank herum, nimmt beide in seine Gewalt und versteckt sich in ihrem Haus.

Dann wurde schnell klar, dass meine Erwartungen nicht zutrafen: es entspinnt sich eine Liebesgeschichte und eine Art Familienleben zwischen den dreien, die gänzlich unschwer ist. Auch nicht heiter und ungetrübt, aber es bleibt schön und herrlich undramatisch bis auf die Tatsache, dass alle wissen: so kann es nicht lange gut gehen. Ich habe es sehr genossen, erleichtert, dass meine schlimmsten Erwartungen sich nicht erfüllten. Zum Schluss wird es sehr spannend und dann doch etwas dramatisch, ich habe etwas an meiner Jacke herumgekaut, möchte aber nicht mehr verraten.Nur so viel: die Laune war gut, als wir das Kino verließen.

Ich empfehle den Film mit dem Hinweis, dass man den sicher auch gut auf DVD sehen kann. Eine große Leinwand ist dafür nicht zwingend notwendig. Kate Winslet ist wie immer großartig – es hat mir sehr gefallen, dass sie, wenn auch umwerfend schön, tatsächlich realistisch aussah wie eine Mutter und/oder Frau, die nicht mehr ganz jung ist. Ein paar Fältchen, vergleichsweise üppige Figur für eine Schauspielerin, ganz unverhohlen über 30 JAhre alt und DENNOCH sexy im Allgemeinen und begehrenswert für die männliche Hauptfigur im Besonderen.

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Noch schnell der Bechdel-Test! Leser haben sich über ihn amüsiert, deshalb ziehe ich es erst recht durch. Wir erinnern die Regeln:

1. Es müssen mehr als zwei Frauenfiguren mitspielen, die

2. sich miteinander unterhalten

3. über etwas anderes als Männer.

Ich erinnere mich an die weibliche Hauptfigur Adele, die Nachbarin Evelyn und das Mädchen Eleanor, dass sich mit dem Sohn Frank anfreundet. Adele und Evelyn unterhalten sich kurz, als Evelyn Betreuung für ihren Sohn braucht. Bechdel-Test bestanden, wenn auch denkbar knapp.

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