Job und Kind? Fünfzig Prozent.

Halbe-halbe zieht sich als Begriff durch mein ganzes Leben, und ich habe für mich festgestellt, dass das ein gutes Konzept für mich ist. Halbe Stelle, halbes Kind, so läuft das hervorragend.

Bevor das allerdings mit dem halben Kind (soll heißen: ich bin zur Hälfte für das Kind zuständig, der Papa zur anderen Hälfte) so richtig geklappt hat, musste es zur Trennung kommen. Denn innerhalb der Beziehung habe ich das einfach nicht hinbekommen. Das lag an den fiesen Fallen, die auf Frauen und Männer in Beziehungen lauern, wenn das Kind kommt; an bösen Beziehungsmechanismen; an heulender Hilflosigkeit. Sehenden Auges rannte ich in die typischen Fallstricke; ich kannte alle Statistiken, alle feministischen Theorien, alle Politikmodelle weltweit, ich wusste GENAU, was zu tun war. Und was passierte? Der Mann spielte nicht mit, zumindest nicht so, wie ich es wollte, und alles kämpfen brachte nichts als Zerreibung. Nach einigen Monaten des Kampfes  trennte ich mich. Wir vereinbarten das Wechselmodell, das Kind ist zu gleichen Anteilen bei seinen Eltern.

Abgesehen von der emotionalen Erleichterung ging mir auf, dass nun alles so funktionierte, wie ich es mir immer erträumt hatte. Der Papa und ich teilten uns die Zeit auf, in der wir das Kind hatten, und zwar tatsächlich hälftig. Das hatte in der Beziehung aus den verschiedensten Gründen nie funktioniert. Und das beste: wenn er das Kind hatte, ließ er mich in Ruhe und versuchte nicht wie sonst, mich einzuspannen, wenn er etwas besseres vorhatte. Kam das doch mal vor, sagte ich tatsächlich auch mal „Nein“ und ging meiner Wege.  Geile Scheiße. Seitdem muss ich immer aufpassen, dass ich frustrierten Mütter-Freundinnen nicht freudestrahlend eine Trennung empfehle. Mir ist schon klar, dass das nicht in allen Fällen so funktioniert wie bei mir. Aber herrlich, so eine Trennung, auf jeden Fall aus der Warte der Arbeitsteilung!

Seitdem weiß ich, dass einerseits Gleichberechtigung in einer Beziehung, vor allem, wenn ein Kind da ist, zum großen Teil vom Mann abhängt. Denn der Mann hat die Wahl: er kümmert sich, oder er lässt es bleiben, dann macht es eben die Frau. Die Frau hat keine Wahl, sie macht es, wenn es sonst keiner macht. Das ist quasi die Optionshierarchie. In meinem Falle war es so, dass der Mann nach der Trennung diese Wahl auch nicht mehr hatte, ich war ja nicht mehr da, wenn er das Kind hatte, und deshalb die Arbeitsteilung funktioniert.

Beruflich ist es etwas anders. Ich arbeite etwas mehr als 60% auf einer recht gut bezahlten Stelle, ich sag mal so: ungefähr Ingenieursniveau, die Bezahlung. Das Geld reicht gut. Im Prinzip bin ich in Kombination mit dem Papa der feuchte Traum der Familienministerin Schwesig: beide arbeiten Teilzeit, nehmen Elternzeit, erziehen. Es ist absehbar, dass das auch mit D. so laufen wird. Und da, bei der Höhe meines Gehaltes, beginnt der Teil der Teil mit der ökonomischen Hierarchie in der Beziehung: je mehr Geld du nach Hause bringst, desto freier bist du in deinen Möglichkeiten, besonders als Mutter. Denn, so meine These: gerade Frauen neigen dazu, bei (finanziellen) Vernunftsentscheidungen im Familienkontext ihre eigenen Interessen zu vernachlässigen. Das vage gefühlte Kindswohl , die Karriere des Partners, die schöne Wohnung: alles wichtiger als die eigene Erwerbstätigkeit, die eigenen Rentenpunkte, die eigene Bestätigung, das eigene Geld, die eigene Mittagspause mit den Kollegen im netten Straßencafe. Ich habe öfter mit angesehen, wie die dollsten Pläne zur gleichberechtigten Elternschaft an dem Punkt scheiterten, als die Paare anfingen, „durchzurechnen“. Und oh Wunder: das führte IMMER dazu, dass der Mann leider, leider nur noch ganz wenig Elternzeit nehmen konnte.

Umso besser, herrlicher, beruhigender, wenn Vernunftsentscheidungen im Familienkontext den eigenen beruflichen Interessen nicht widersprechen, weil man einen Batzen zum Familieneinkommen beiträgt, vielleicht sogar den Hauptbatzen. Natürlich schränkt das auch in gewisser Weise ein, die ökonomische Verantwortung ist groß, und vielleicht fängt man tatsächlich früher wieder an zu arbeiten, als man wollte – aber gewisse Entscheidungen werden eben nicht mehr getroffen, ohne dass der eigene Standpunkt einbezogen werden muss, das „Durchrechnen“ endet damit, dass auf der eigenen Seite ein ordentliches Plus steht. So geht man anders in Aushandlungen, natürlich durchdrungen von der reinen Vernunft. Das ist einfach viel effizienter als jedes andere Argument. Nicht zuletzt wird der andere Elternteil von Verantwortung entlastet und ist freier, mehr Zeit mit anderen Dingen als der Berufstätigkeit zu verbringen. Das Ziel, so sehe ich es, muss sein, dass niemand in einer Beziehung den anderen beneidet – und das geht nun mal am Einfachsten, wenn sich jeder seine fünfzig Prozent nimmt.

Das ist natürlich in einem Umfeld am einfachsten, in dem beide in einer Partnerschaft ungefähr gleich gut ausgebildet sind und beide ihre Ausbildungen beendet und ungefähr am selben Punkt des Lebenslaufes stehen. Das geht aber auch, wenn z.B. der Mann deutlich mehr oder als Einziger verdient, nämlich wenn er eine Auszeit oder Reduzierung der Arbeitszeit einfach durchzieht – er hat ein Recht darauf – und sich alle trauen, mit weniger Geld auszukommen. Das führt zu Punkt eins, der oben beschrieben ist. Meiner Meinung ist nach ist das immer eine Frage der Prioritäten, nicht der Möglichkeiten. Und sobald der Mann beginnt, mehr Zeit in die Familienarbeit zu stecken, hat die Frau die Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen, denn dann hat sie mehr Zeit zum Bewerben, Fortbilden, Arbeiten, Netzwerken und so weiter und so fort. So ist eine schrittweise Anährung in der Aufteilung Familienarbeit/Erwerbsarbeit letzten Endes nicht unrealistisch. Die Optionshierarchie bedingt die fianzielle Hierarchie und anders herum.

Und so befürchte ich nach aktuellem Stand der Dinge: Letzten Endes liegt es immer am Mann, den wir finden und mit dem wir Kinder haben wollen. Je mehr er seinen Teil alleinverantwortlich machen möchte in der Kindererziehung und je weniger sein Gehalt höher ist als unseres, umso besser wird halbe-halbe funktionieren. Jetzt müssen wir es nur noch schaffen, uns immer in den dafür Richtigen zu verlieben.

 

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Ein Kommentar zu “Job und Kind? Fünfzig Prozent.

  1. Neeva sagt:

    Ein Artikel, der mir komplett aus dem Herzen spricht. Gerade die Optionshierarchie ist ein toller Begriff. Den werde ich von jetzt an verwenden, wenn ich mal wieder über sowas diskutiere.

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