Die Hebammen

In den letzten Tagen meldeten es die Nachrichten und alle sozialen Netzwerke: die freiberuflichen Hebammen sind in ihrer Existenz bedroht, weil keine Versicherung mehr ihre Haftpflichtversicherung anbietet. Ohne Haftplicht jedoch dürfen diese Frauen nicht arbeiten. Ist diese Haftpflichtversicherung in den letzten Jahren schon enorm teuer geworden – 4242,45 Euro im Jahr – gibt es sie nun faktisch nicht mehr. Das vor dem Hintergrund, dass eine selbstständige Hebamme tatsächlich arg wenig verdient (wen es genauer interessiert: http://www.hebammenfuerdeutschland.de/hintergrundwissen).

Meine persönlichen Erfahrungen seien hier nur kurz dargestellt. Ich habe mein Kind nach einer extrem unkomplizierten Schwangerschaft im Hebammenkreißsaal eines Krankenhauses entbunden, ohne Schnerzmittel nach dem Motto „Was lange währt, wird endlich gut“. Damit war ich recht zufrieden. Für das Wochenbett und die darauf folgenden Wochen war meine Hebamme sehr hilfreich, einfach weil sie freundlich und da war und ich ihr vertraut habe. Eine, die die Vorsorge übernimmt und zur Geburt mit ins Krankenhaus eilt, konnte und wollte ich mir nicht leisten – 550 Euro kostet das hier, und ich hatte äußerst dringendere Ausgaben. Schon hier fand ich es ein wenig empörend, dass die Wahlfreiheit für die Geburtssituation so sehr vom Finanziellen abhängt und somit nur für die relativ Wohlhabenden gilt.

Ich finde den Gedanken insgesamt schön, dass jede Frau oder jede Familie sich die Betreuung ihrer Schwangerschaft und des Wochenbettes aussuchen kann, wie es gewünscht ist. Esoterik und Bachblüten? Bitte schön! Nüchterne Behandlungszimmer in der gynäkologischen Praxis? Läuft. Stillen um jeden Preis? Ja klar, das macht doch Hebamme Tina! Pragmatische Vernunft? Auch das haben wir im Angebot. Das wird es irgendwann nicht mehr geben, wenn es so weitergeht.

Die gute Nachricht: so geht es nicht weiter. Der Ausschuss des Bundestages Familien, Senioren, Frauen und Jugend hat heute angekündigt, in der nächsten Sitzungswoche dazu zu tagen, gemeinsam mit dem Ausschuss Gesundheit. Die Hebammen sind gut organisiert und haben eine starke Lobby, die Mittelschicht steht hinter ihnen und scheut sich nicht, die Abgeordneten anzuschreiben, um sich für ihre persönliche Hebamme und ihre Wahlfreiheit einzusetzen. Ich bin selber beeindruckt, dass das offensichtlich etwas bringt. Sie haben bereits erreicht, dass ihr Anliegen, wenn auch sehr flexibel formuliert, im Koalitionsvertrag landet, sie erreichen nun, dass es weiter geht. Ich bin guter Dinge.

Also, weitermachen. Es nutzt.

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