Kommunikation Ex

Das läuft in unserem Wechselmodell meistens so – und zwar ausschließlich per Mail: Ex hat irgendwas vor, das meine Betreuung der Krabbe betrifft (Umzug, Surfurlaub, berufliche Termine) und teilt mir das mit. So lange ich brav alles mitmache, klappt das vorzüglich.

Verweigere ich meine Kooperation, also zum Beispiel beim Vorschlag, dass das Kind nach einem eventuellen Umzug seinerseits 20 Kilometer entfernt in eine Kita eben dorthin wechseln soll, oder aber dass ich meinen Urlaub verschieben soll, weil das mit seinen Surfplänen nicht passt, oder whatever, werde ich bearbeitet. Wenig subtil, viel Druck, viele Mails.

Meine Reaktion: zuerst versuche ich alles so hinzubekommen, dass es passt. Dafür gibt es zu Hause oft Ärger, da ich nicht alleine lebe und D. verständlicherweise wenig Lust hat, sein Leben nach meinen Ex auszurichten. Ich schlage Kompromisse vor, was beide Männer nicht sehr bedenkenswert finden. Da beide wegen Unwillens meines Ex nicht miteinander kommunizieren, arbeite ich mühsam in beide Richtungen. Irgendwann wird es mir zu blöd, und ich lehne in Richtung Ex kategorisch alle weiteren Zugeständnisse ab, schreibe zynische Mails an ihn und bete alle Einschränkungen herunter, die ich für den Ex schon auf mich genommen habe. Daraufhin streitet er alles ab und behauptet, dass eh alles nach meiner Nase läuft etc pp, wenn er richtig in Schwung ist, geht er gerne auf die „ich bin alleinerziehend (sic!) und habe mir das nicht ausgesucht“-Nummer. Das empfinde ich deutlich anders, fühle mich sehr ungerecht behandelt und begebe mich in die Opferrolle, tue mir sehr leid und schlage eine Elternberatung vor, weil unsere Kommunikation schlecht läuft und das nicht gut fürs Kind ist. Natürlich bin ich außerdem insgeheim der Meinung, dass jeder Mensch in der Elternberatung automatisch auf meiner Seite stehen würde. Ich bin immerhin kommunikativ und kooperationsbereit und richte mich in vielem nach dem Ex, was man gegenteilig von ihm nicht behaupten kann. Geradezu edel bin ich. So ist zumindest meine Sicht der Dinge. Ich wäre allerdings tatsächlich bereit, mir da mal meine Defizite aufzeigen zu lassen. Ja, so bin ich! Während ich mich noch innerlich feiere, wird an dieser Stelle vom Ex immer eingelenkt, und wir finden einen Kompromiss. 

Irgendwie läuft das schräg. Das einzig Positive: ich erkenne langsam das Muster. Sach- und Emotionsebene sind sicher Stichwörter, die mir dabei weiterhelfen könnten.  Mal sehen, was ich damit anfange. 

Blut auffangen

(Quasi Spoiler-, Trigger-, und so weiter-Warnung: alle LeserInnen, die sich gerne den Eindruck von mir als ätherisches Wesen ohne Körperfunktionen und -flüssigkeiten erhalten möchten, mögen bitte nach dem ersten Absatz das Lesen beenden!)

Edit: ich mache hier keine bezahlte Werbung, die Shop-Namen sind mir einfach beim Recherchieren untergekommen.

Als ich kürzlich nach einer Nacht aufwachte, in der D. wild gefeiert und gezecht hat und ich zu Hause blieb und nach drei Folgen Serie wegschlummerte, hatte ich morgens etwas Zeit für mich. Ich surfte so im Internet herum und ärgerte mich ein wenig über die Logik von Cookies und personalisierter Werbung – seit ich mir einen hervorragenden türkisen und wahnsinnig schicken und dabei auch noch nicht unsexy surfergirlmäßigen(!)-Badeanzug gekauft hatte, werden mir nur noch Badeanzüge vorgeschlagen. Danke, HAB ICH SCHON! Meine Güte. Wärest du so richtig schlau, liebes Internet, schlügest du mir nun ergänzende Gimmicks vor. Die beste Strand-Literatur, Sonnencreme, natürlich Surfbretter, Schwimmbrillen, riesige flauschige Handtücher, Flüge nach Ibiza – ah nee, da sind keine Surfspots, also eher Lanzarote, so was halt.

Wie auch immer, irgendwie landete ich bei einem Artikel über Menstruations-Unterwäsche, die wild gepriesen wurde. Da ich inzwischen akzeptiere, dass ich seit über einem Jahr nicht „sowieso ab nächsten Monat schwanger“ sein werde und ich also mit dem arbeite, was ich habe, kann ich mich ja auch mal mit so etwas beschäftigen, dachte ich mir und surfte vergnügt durch die Welt der Tampon-Alternativen. Was man halt so macht nach drei Jahren Beziehung, wenn der Partner sanft schnarchend nebenan schlummert.

Jetzt bin ich schwer am Überlegen, ob ich mein nächstmonatliches Restaurant-Budget nicht bei dm für Menstrustionstassen und bei http://www.shethinx.com für Menstruationsunterwäsche ausgeben sollte. Ich hasse Slip-Einlagen, und diese Unterbüx klingen, als wären sie eine Lösung, und gut aussehen tun sie obendrein. Die diversen Erfahrungsberichte im Internet klingen durchweg positiv und fernab von Windelfeeling, es wäre wahrscheinlich einen Versuch wert. Ganz billig sind die Dinger nicht, aber ich habe schon auf schlimmere Arten Geld zum Fester hinaus geworfen. Sammelbestellung, anyone?

Menstruationstassen dagegen – sie sind mir als logische Neueinführung (ha! Sorry, war keine Absicht, das floss (!) so aus mir raus) ferner, muss ich zugeben. Ob ich mir nun ein kleines Wattestäbchen in den Körper befördere oder eine gefühlt riesige Gummischale, das tut sich in meiner Gedankenwelt nicht viel, außer dass ich letzteres wohl üben müsste und ich ein wenig Respekt vor dieser Phase habe, in der ich eine randvolle Mentruationstasse ungeschickt auf der Büro-Toilette handhaben muss. Huh, Bilder im Kopf! Sehr plastische Bilder! Und gegen Tampons habe ich persönlich gar nichts. Ich habe das der Krabbe auch schon ausführlich erklärt, und sie bietet mir nun immer sehr freundlich Tampons an, wenn sie mich auf der Toilette erwischt („Blutest du gerade aus der Scheide, Mama?“). Das Thema wird hier also keinesfalls tabuisiert, aber der Gedanke, ihr eine Menstruationstasse zu erklären, übersteigt gerade meine Vorstellungskraft.

Dennoch bin ich neugierig. Ein kleiner Ausflug zu dm kann ja nicht schaden. Lebe wild und ungewöhnlich!

 

 

Familienurlaub mit Einzelkind

Ich habe einfach noch nicht die ultimative Urlaubsform gefunden, die man mit einem einzelnen Kleinkind gut machen kann – also so, dass am Ende sich alle freuen und erholt sind und rufen: „Oh, das war schön! Das machen wir nächstes Jahr wieder!“

Aus diversen, eher fehlgeschlagenen Versuchen habe ich nun folgende Pläne abgeleitet:

Der nächste Thailand-Urlaub findet ohne Kind statt. Ist auch schon geplant.

Der nächste Kind-Urlaub findet mit allen meinen Schwestern und deren Kindern und den meisten Partnern auf einer deutschen Insel in Ferienwohnungen statt. Kurze Anfahrt, Spielgefährten für die Kinder, genug Erwachsene, damit jede mal in Ruhe ausspannen kann, feste Wände für den Fall, dass das Wetter sehr schlecht ist und nur sieben Tage Dauer, falls irgendetwas unerträglich ist. Das ist allerdings auch ein Test, denn wir haben diese Konstellation noch nie ausprobiert – meine Hoffnungen könnten enttäuscht werden. Mein geheimes Ziel ist allerdings, dass das so prima wird, dass man mittelfristig gemeinsam mal etwas länger in den Süden reist. Daumen drücken!

Der nächste Campingurlaub findet nur bei stabiler Wetterlage, ohne Zelt, sondern in Tipis oder Wohnwagen, die man auf dem Campingplatz mietet (man nennt das wohl Glamping. Das ist voll mein Ding, Glamping!) und mit eingebauten Freizeit-Programm statt. Also entweder etwas Radwandern dabei oder aber Kanufahren. Wir haben da auch für nächstes Jahr einen tollen Campingplatz im Auge, im schönen Kratzeburg, das aber leider übel beschissen zu erreichen ist ohne Auto. Und wie Regionalbahn mit zwei Fahrrädern, einem Hänger, zwei Erwachsenen und einem Kleinkind läuft, habe ich dieses Jahr gemerkt: es geht. Aber man versucht, jedes Umsteigen zu vermeiden.

Hätte ich Eltern oder Schwiegereltern, bei denen ich Urlaub machen könnte, wäre das mein Favorit. Aber da ist nicht viel zu holen: mein Vater lebt in seiner Rentner-Butze, die Eltern des Papas sind von der Idee mäßig begeistert – ich habe mich tatsächlich getraut, mal zu fragen, aber es wurde freundlich abschlägig bescheiden. Die Krabbe jederzeit und gerne, aber lieber ohne mich. Na ja, auch irgendwie verständlich – , und D.s Vater lebt in Berlin und hat nicht viel Platz.

Wir werden sehen, ich nehme an, das ruckelt sich auch zurecht mit den Urlauben. Trotzdem werde ich das vage Gefühl nicht los, dass Einzelkindurlaube einfach schwierig sind.

 

Büro-Karaoke

 

Aus nicht mehr ganz nachvollziehbaren Gründen ist es in meiner Bürogemeinschaft dazu gekommen, dass ein Termin für einen gemeinsamen Abend in der Karaoke-Bar in die Runde geworfen wurde. So was hat natürlich Folgen, vor allem, da ich schon beim Roten Salon durch engagiertes Gesinge aufgefallen bin – ich habe noch nie Karaoke in der Öffentlichkeit gemacht, aber ich spüre, dass ich das könnte. Ich hab auch schon in Chören gesungen, mit Auftritten, so ist es nicht!

Aber ganz unvorbereitet will ich da nicht reingehen. Ich habe also heute mal recherchiert, welche Lieder für mich so in Frage kommen… tricky, sag ich euch, tricky. Es gilt einiges zu beachten.

  1. Das Lied muss meinem Stimmumfang entsprechen. Bei dem Versuch, Bonnie Tyler mitzusingen, habe ich bereits in der ersten Strophe so kläglich versagt, dass ich „Total Eclipse of the Heart“ blutenden Herzens streichen musste.
  2. Duette. Ganz harte Nummer… da muss man schon überlegen, mit welchem Kollegen man welches Lied performen möchte. Es sollte jetzt nicht ZU sexy sein… Wenn ich mir vorstelle, mit meinem Kollegen betrunken „Je t´ aime“ zu stöhnen, werde ich – wie ich mich kenne – entweder die ganze Zeit albern kichern oder mich spontan eine halbe Stunde lang verlieben (na gut, das kommt auch ein wenig darauf an, welcher Kollege genau), und alleine der Gedanke, dass man sich Montag nüchtern wieder sieht… ich schäme mich jetzt schon für mein zukünftiges ich fremd.
  3. Der Beat! Die Moves! Es sollte kein Lied mit einem exzessiven Solo sein – was macht man die ganze Zeit, wenn es nix zu singen gibt? Den Mikrofonständer mit Hüftschwüngen beglücken oder eher Luftgitarre spielen? Aber auch sonst: wie bewegt man sich die ganze Zeit? Einfach wie auf einer Tanzfläche? Und soll man sich bei einem Beyonce-Song wie Beyonce bewegen? Das KANN nur schiefgehen. Und dann bei einem Duett… argh. Man kann so viel falsch machen. Zu langsames Lied: doof rumstehen. Zu schnelles Lied: doof rumzappeln. Eine weitere Gefahr: sehr alte, verschüttet geglaubte Reflexe aus meinen ersten musikalischen Sozialisationserfahrungen drängen an die Oberfläche und lassen mich in unbedachten Momenten glauben, dass so etwas SEHR angemessen wäre:

Dagegen muss man natürlich ankämpfen.

In der engeren Wahl sind bei mir bisher 90er-Klassiker von den Backstreet-Boys und Britney, das kann man schön ironisch inszenieren, und gesanglich sind da keine Überraschungen zu erwarten. „Iris“ von den Googoo Dolls, das oben gezeigte „Burning down the House“, „Try“ von Pink… ich bin noch in der Recherche und verspreche mir auch einiges von den Beatles, den Beach Boys und den Traveling Wilburys.

Es mag den Anschein erwecken, ich mache mir zu viele Gedanken, aber damit kann ich leben und ich habe gute Gründe. Ich weiß etwa aus sicherer Quelle, dass einzelne Mitglieder aus meiner Bürogemeinschaft es bereits geschafft haben, bei anderen Gelegenheiten in monatelangen heimlichen Übungssessions raffinierte Duett-Performances einzustudieren. Das kann man finden, wie man will, aber es weckt ganz leicht meinen Ehrgeiz. Ich lerne außerdem viel über mich, einfach dadurch, dass eventuell mal ein Karaoke-Abend stattfindet, das ist also quasi therapeutisch. Und man weiß ja: Vorfreude ist die schönste Freude. Die kann mir niemand mehr nehmen, egal, was dann wirklich passiert.

 

 

Freier Nachmittag:

Wenn die Nachbarstochter zu Besuch ist, zwei Dreijährige sich zwei Stunden im Wohnzimmer totlachen – und ich mir den ganzen Nachmittag für das Kind freigehalten hatte. Sogar kochtechnisch, es gibt nämlich Fischstäbchen.

Nun denn. Mache ich mir eben einen Kaffee, verräume die Ergebnisse der Shoppingtour und fühle mich wie eine echte Latte-Macchiato-Mutter. Kann man mal machen.

Kino: Ghostbusters

Ghostbusters, in der Verfilmung mit Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon und Leslie Jones, ist eine Neuverfilmung des Kultfilms aus den 80ern mit Bill Murray. An diesen habe ich wenig bis keinerlei Erinnerungen, mit denen ich den jetzigen Film hätte abgleichen können.

Mein also unbelecktes Fazit: ein okayer Popcorn-Kino-Film, der nicht weh tut und mit Chris Hemsworth als eher schlichten Sexobjekt-Sekretär für mich persönlich ein optisches Schmankerl bietet. Übrigens lässt sich aus meiner Sicht darüber streiten, ob der australische Schauspieler nun dafür bewundert werden muss, weil er „sich selbst nicht so ernst nimmt“: ich habe noch nie erlebt, dass Frauen dafür bewundert werden, dass sie eine dümmliche Sexbombe spielen und sich damit selbst „nicht so ernst nehmen“. Das ist dann einfach so und ganz normal, offensichtlich nehmen Frauen sich ernst, wenn sie solche Rollen spielen. Ich finde, es sollte für Männer ruhig auch ganz normal sein, deswegen bewundere ich Chris Hemsworth nicht. Höchstens für seine komischen Fähigkeiten, ich musste wirklich lachen.

Was bei dem Film auffällt (und anscheinend ein wirklicher Skandal für einige Zeitgenossen ist), weil es sonst NIE vorkommt: alle Hauptfiguren sind Frauen. Das Neue daran ist aber schon das einzig Auffällige. Es schadet der Story nicht, es mindert nicht den Humor, es ist höchstens mal was Anderes und daher erfrischend. Und man fragt sich hinterher, warum es nicht mehr solcher Filme mit mehr Frauen-Rollen gibt, die keine klassischen Frauen-Themen wie Liebe und Familie behandeln. Denn, ich kann es gar nicht oft genug sagen: es stört ja gar nicht!

Überflüssig zu sagen, dass der Bechdel-Test bestanden wurde. Wäre der Test für Männer, wäre er wahrscheinlich nicht bestanden worden.

Wenn meine Tochter im passenden Alter ist, werde ich ihr jedenfalls zuerst diesen Film zeigen, bevor ich ihr vielleicht mal vom antiken, überholt-patriachalischen Original erzähle. Die neue Version bietet ein paar Rollenvorbilder für Frauen, die ich mag: in technischen Berufen, sozial etwas inkompetent und dennoch erfolgreich, witzig, in den verschiedensten Formen, Farben und Spleenigkeitsgraden, mutig, anpackend, rebellisch, und sie retten Männer. Unter anderem Chris Hemsworth. Das darf meine Tochter gerne anstreben.