Adventsnachmittag light

Ich lud just zu einem Adventsnachmittag. Eingeladene: 8 Familien plus mein Vater, denn ich wusste ja: es würden viele absagen! Das weiß ja jeder, Adventsevents werden immer viel abgesagt, weil alle so viel zu tun haben!

Wie es sich zeigte, sagte nur eine Familie ab. Ich war etwas erschrocken: 25 Menschen, inklusive 8 Kleinkinder und vier Babys, in meiner Wohnung.

Aber das Konzept stand, und es war ein schlankes Konzept. Mein Kredo war: wenig Stress für mich, bitte! Ich hatte vorher breit verkündet, dass ich Kekse und Punsch zur Verfügung stellen würde, alles weitere konnte gerne mitgebracht werden. Die Punschherstellung übernahm eine der Gäste, ich organisierte etwas Extra-Geschirr und Tassen aus unserer Büro-Küche, D. und die Krabbe backten vormittags eine Runde Kekse, ich dekorierte mit ihr gemeinsam ein bisschen das Wohnzimmer, etliche Kekse hatten wir zugekauft, es wurde noch schnell geputzt, zum Mittagessen holten wir eine Runde Döner, dann wurde der Rum bereit gestellt und zack! kamen die Gäste und die Bude war voll. Es war großartig. Die Kinder spielten, die Erwachsenen redeten, es verteilte sich alles gut auf unsere vier Zimmer und die Küche, niemand stritt, mein Vater nahm freudvoll meinen Ex auf den Kieker, der mit dem Bruder der Krabbe da war (es hatte etwas von einer französischen Komödie inklusive Unbehagen beim Vater meines Kindes, aber er blieb dennoch lange und ging als Letztes, er scheint es verkraftet zu haben), Kerzen wurden wegen der Babys sofort ausgeblasen, ein Schuhregal ging zu Bruch (Krabbe, in sehr anklagendem Ton, den Übeltäter hinter sich her schleifend: „Mama, L. hat das Schuhregal kaputt gemacht!!!“ L.: „Aus Versehen!“ Krabbe, in genau demselben anklagenden Ton: „Mama, er hat das Schuhregal aus Versehen kaputt gemacht!!!!“ Mildernde Umstände werden zwar der Vollständigkeit halber von ihr erwähnt, haben aber offensichtlich keine Wirkung auf die Anklage. Eine etwas eigene Justiz…) und so nahm alles seinen LAuf.

Um 18 Uhr war alles vorbei und ich sehr zufrieden mit mir. Ich hatte wirklich einen unstressigen Nachmittag gehabt und vielen Leuten Gelegenheit zum frohen Zusammenkommen gegeben. Und tatsächlich, das muss ich mir merken, war kein großer Aufwand nötig. Die nächste Party kann kommen!

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Wovon meine Großeltern gelebt haben

Die Kaltmamsell hat einen Blog-Anstoß gegeben, dem ich nach einem Telefonat mit meinem Vater nachgekommen bin: Wovon haben meine Großeltern gelebt?

Die Kurzantwort habe ich dort in der Kommentarspalte gegeben, hier kommt die lange Version inklusive der Geschichte. Vorab sei bemerkt: Ich staune ja immer wieder. Meine Großeltern waren alle schwer beschädigt, psychisch und emotional. Und nur eine Großmutter hat es geschafft, liebevoll und funktional ihre Kinder groß zu ziehen, ohne viele weitere Schäden zu verursachen – allerdings erst nach der Trennung von meinem Großvater, der sicherlich heutzutage so einige Diagnosen erhalten würde. Meine Eltern hatten beide eine sehr schwierige Kindheit mit sehr dysfunktionalen Elternbeziehungen, wurden beide davon sehr geprägt, überwarfen sich mit den Herkunftsfamilien bzw. dem Vater und haben wiederum beide ihr Bestes gegeben, ihren drei Kindern – mir und meinen Schwestern – eine bessere Kindheit zu gestalten. Das hat nicht ganz geklappt, zumindest nicht sehr konsequent. Suchterkrankungen und finanzielle Existenzängste meiner Eltern prägten, nach einer als gut erinnerten Kindheit, meine Jugend. Aber immerhin: ich habe eine gute Resilienz mit bekommen, und ich weiß, dass das anders geplant gewesen war und nicht an Gedankenlosigkeit, Willkürlichkeit und Grausamkeit gescheitert ist. Sondern ganz sicher auch an den Päckchen, die meine Eltern aus ihren Elternbeziehungen mitbekommen haben.

Dabei sieht alles aus der Entfernung ganz gut aus. Mein Großvater mütterlicherseits war Werksleiter bei BASF, wohlhabend, aber etwas instabil. Ich glaube, er war insgesamt 5mal verheiratet. Ich weiß nicht viel aus dieser Zeit, weil meine Mutter recht früh mit ihm brach, aber sie lebte nach der Trennung ihrer Eltern bei ihrem Vater und erlebte seine Frauengeschichten mit. Ihre Mutter führte einen Teppichladen und war, wenn ich es recht entsinne, ein heißer Feger, der sich nicht viel für den Nachwuchs interessierte. Finanzielle Sorgen gab es wohl nicht, aber emotional war da nicht viel zu holen.

Väterlicherseits weiß ich mehr. Mein Großvater hatte ein bewegtes Leben, er war quasi ein Abziehbild von allem, gegen die 68er-Bewegung rebellierte. Wehrmachts-Offizier im Zweiten Weltkrieg, irgendwann FDP-Geschäftsführer in Schleswig-Holstein, hat den BND mit aufgebaut, am Ende Lobbyist in Bonn. Ein Hallodri und Fremdgeher, der seine Familie ungut behandelte. Die Scheidung folgte nach der Flucht meiner Großmutter mit zwei Kleinstkindern aus Preußen. Vor dem Krieg war meiner Großmutter Guts- und Unternehmertochter gewesen, nach der Scheidung brachte sie ihre beiden Kinder lange alleine durch als Verkäuferin. Erst danach lernte sie ihren zweiten Ehemann kennen, der als Lehrer an der Bundeswehrakademie arbeitete und den ich als meinen Opa betrachtete. Sie war bis zu ihrem Tod vor 5 Jahren das Familienoberhaupt, gütig und lieb und bestimmt.

Mein Vater wurde Aktivist in der 68er-Bewegung, inklusive Kommune in Schöneberg und bewusstseinserweiternden Drogen, danach sesshaft und selbstständiger Werbetexter. Ich habe eine gute und stabile Bezihung zu ihm. Meine Mutter hatte keinen Schulabschluss, eine sehr bewegte Jugend und wurde Hausfrau und Mutter, sie ist nun seit einigen Jahren tot. Beide „trennten“ sich von ihren Herkunftsfamilien auf recht harsche Art, mein Vater zumindest von seinem Vater.

Da komme ich wohl aus dem Bürgertum, würde ich sagen, und ich setze das mit meinen Schwestern auch ziemlich nahtlos fort. Der große Unterschied in meiner Generation: wir sind die ersten Frauen, die sich durchgängig auch mit Kindern selbst versorgen und einen Beruf ausüben.

Was noch anders ist in meiner Generation: unsere Kinder wachsen in recht liebevollen Umgebungen auf, mit präsenten und sich kümmernden Vätern, auch nach einer Trennung. Ich weiß, dass viele in diesem Land der Meinung sind, dass man sich „in der heutigen“ Zeit zu schnell trennt und dass an der Selbstverwirklichung der Frauen liegt. Ich habe sogar schon Blogs von Nur-Hausfrauen gelesen, die der Meinung sind, Erwerbstätigkeit von Frauen ist quasi Betrug an der Beziehung, weil man sich ja schon auf die Trennung vorbereitet.

Und ich sage: Es lebe die Unabhängigkeit! Das größte Geschenk, das unsere Elterngeneration ihren Töchtern gemacht hat. Denn wenn ich mir meine Familiengeschichte so ansehe, sehe ich: Trennungen gab es schon immer. Doch damals trennten sich die Männer, und die Frauen badeten es aus, und es gab sehr viel Unglück, das aus diesen Geschichten stammt. Ich mag das später anders sehen, und es mag nicht repräsentativ sein, aber die Trennungen, die ich erlebe, sind anders. Sie sind genauso anders wir die Beziehungen, die wir führen. Konstruktiver, auf Augenhöhe, mit mehr Gesprächen, mit dem Fokus auf den Kindern, mit Eltern, die beide erwerbstätig und damit unabhängig sind und sich beide um die Kinder kümmern. Auch nicht einfacher, aber besser für alle Beteiligten.

Ich bin sehr froh über diese Entwicklung. Denn ich sehe, wie schwer es die Frauen vor uns hatten – sogar in einem recht wohlhabenden Milieu. Wie sie immer abhängig von den Männer waren, die gemacht hatten, was ihnen gerade gefiel, und wie sie und ihre Kinder darunter gelitten hatten. Das waren keine Beziehungen auf Augenhöhe. Ich bin der Frauenbewegung sehr dankbar, dass sie uns die Möglichkeiten geschaffen hat, die wir heute haben. Und ich bin froh, dass ich im hier und jetzt lebe.

Für meine Tochter ist mir, auch mit Rückblick auf meine Familiengeschichten, wichtig, dass sie mindestens ebenso unabhängig sein wird. Und dass sie mit viel Kontakt zu ihren Großeltern, Tanten, Cousinen und Cousins und allen anderen Verwandten aufwächst, liebevolle Beziehungen in der Familie erlebt und viel Sicherheit und Akzeptanz erfährt. Ich hoffe, das klappt so.

Anteil Solidarische Landwirtschaft, KW 49

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Der verregnete Sommer in Kombination mit dem Winter führen momentan zu etwas asketetischeren Wochen in der Solidarischen Landwirtschaft. Diese Woche war etwas üppiger, mal sehen, wie das weitergeht… Also, wie immer ist hier unser wöchentlicher Anteil an der Produktion eines demeter-Hofes zu sehen, wir zahlen 45 Euro für die oben abgebildete Menge.

Grob von rechts nach links wären das 700g gemahlener Dinkel, 100g Fleischwurst, 200g Pfeffersäckchen, 350g Rindergulasch, 1,2 kg Kartoffeln, 250ml Joghurt, 250ml Quark, 250ml saure Sahne, 2l Milch, 150g Butterkäse, 160g Möhrengouda, 80g Butter, 500g Möhren, 100g Fenchel, 200g Wirsing, 200g Feldsalat . Dazu noch 1,7kg Gemüse in freier Wahl, die ich mit Riesen-Kohlrabi, Roten Beten und Zwiebeln verbraten habe. (Radicchio hätte es nach Belieben gegeben, aber – uärgs. Ich habe mir mal ganz hoffnungsfroh nach einem Rezept Radicchio mit Speck und Zwiebeln im Ofen gemacht, ich dachte, das könne lecker sein. Nach ein paar Bissen Radicchio, der heftige Würgerei auslöste, kratzte ich das bittere Zeug vom Teller direkt in den Mülleimer. Pfui Deibel! Den schönen Speck und die Zwiebeln so zu verderben! Das war mir eine Lehre.)

Daraus sind im Moment folgende Speisen angedacht:

  • Gulasch
  • Brotzeit mit selbst gebackenem Dinkel-Vollkornbrot, 1-2mal
  • Bratwurst (von letzter Woche übrig) mit Wirsing
  • Rote Bete aus dem Ofen mit Sardellen und Ei
  • Gemüsepfanne mit Kartoffeln
  • Feldsalat mit Ofenkartoffeln und Quark-Saure-Sahne-Dip

So, und nun gehabt euch wohl, die Bratwurst mit Wirsing wartet auf mich. Ich habe aktuell einen wahnsinnigen Kohl-Appetit und bin stetig weinerlich, weil wegen des bereits erwähnten regnerischen Wetters der Kohlertrag dieses Jahr so gering ist. Zum Glück war die Solawi so nett, Kohl zuzukaufen – für nächste Woche wurde Weiß- und Rotkohl angekündigt. Halleluja!

Tagebuch 11/2017

Frau Brüllen fragt: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Ich und Millionen andere antworten!

Heutige Konstellation: Die Krabbe ist beim Papa, ich habe heute Ortsverein-Weihnachtsfeier, sonst ist alles normal.

06:45 Der Wecker klingelt, ich erwache völlig zerschlagen und erinnere mich an Träume mit Küssen und so. Ts! Dennoch oder gerade deswegen bekomme ich die Augen nicht auf. Das ist ungewöhnlich, ich springe sonst recht schnell aus dem Bett, alles andere empfinde ich als unnötigen Masochismus, der den Tagesbeginn nur noch ekliger macht. Herausschieben ist nicht mein Ding. Nur heute geht es irgendwie nicht. D. merkt das und steht ausnahmsweise als erster auf, um Kaffee zu machen. Irgendwann wuchte ich mich ebenfalls auf, trinke den Kaffee, mache mir die Haare ordentlich, ein Frühstücksmüsli zum Mitnehmen, verabschiede den Wäsche sortierenden D. und breche auf zur Fähre.

08:10 Die Fähre ist gut besetzt und ich etwas später dran als sonst, einen Fensterplatz gibt es heute nicht. Ich lese Simon Beckett, den Rest der Urlaubslektüre: Totenfang. Ich bin schwer genervt von dem Buch: 400 Seiten lang finden die Leute Leichen und denken sich Geschichten dazu aus, anhand der gefundenen Knochen. Die wilden Ratereien werden immer unwahrscheinlicher, dennoch hinterfragt niemand, ob es vielleicht noch andere Möglichkeiten gibt, den Fall zu lösen. Niemand wird verhört, nichts wird untersucht, es gibt keine Ermittlungen außer ein paar gewollt detailliert-ekligen Sezierszenen von vergammelten Fleisch. Der einzige Verdächtige taucht wirklich erst 80 Seiten vor Schluss auf, und es stellt sich heraus, dass alle falsch lagen. Ach was! Egal, ich bin fast durch, den Rest schaffe ich auch noch.

Nach der Fährfahrt steige ich in die U-Bahn und danach entere ich den Supermarkt, um mir einen Salat für das Abendessen zu holen. Ich werde heute wegen Weihnachtsfeier lange im Büro sein.

08:50 Im Büro. Enorm ruhiges Tagesgeschäft, das politische Geschäft ruht, aber die Bürgerinnen und Bürger wenden sich apellativ an meinen Chef. Neuwahlen, GroKo, Koalition… alle wollen etwas anderes.

12:00 Der Kollege hat eingekauft, und ich mache mich ans Kochen des Büro-Mittagessen: Risotto. Während des Kochens hilft mir der Kreisgeschäftsführer und die Kollegin aus dem Bürgerschaftsabgeordnetenbüro bereitet sich eine Fertigsuppe vor, sie mag kein Risotto. Beide reißen dermaßen obszöne Witze, dass meine jugendlich-unschuldigen Ohren fast erröten. Zum Essen selbst wird es zumindest etwas gesitteter, mein Bürokollege und der wissenschaftliche Mitarbeiter der Bezirksfraktion stoßen zu uns.

13:00 Back at work. Ich habe Kopfschmerzen und schlucke eine Ibuprofen.

bis 17:00 So allgemeines Arbeiten. Ich trinke mit den Büronachbarn außerdem Kaffee und bespreche die Bürgerversicherung, telefoniere mit den Kollegen aus dem Berliner Büro meines Chefs, diskutiere mit dem stadtplanerisch kenntnisreichen Bürokollegen den Ausbau der Elbinsel und die entsprechenden Verkehrskonzepte, schreibe an meinem Kandidierenden-Schreiben für die nächsten Funktionärinnenwahlen und helfe beim Schmücken des Veranstaltungsraumes für die Weihnachtsfeier.

17:15 Ich hole noch Tannenzweige für die Tischdeko beim Blumenladen. Mein gestalterisches Talent ist ja eher mini, aber Tannenzweige auf Tische legen: da bin ich top! Aus der Büroküche duftet es nach serbischer Bohnensuppe, die wird auf der Weihnachtsfeier schnabuliert werden. Der Kollege testet oben die Boxen mit eher friedlicher Musik – das ist nicht selbstverständlich.

18:15 Die ersten Genossinnen treffen zur Weihnachtsfeier ein. Ich werde bis 20:15 dabei sein und dann die Fähre zurück nehmen. Habt einen schönen Abend, allerseits!

Auszeit auf Lanzarote

Nach dem Wahlkampf schleppte ich so einige Überstunden mit mir herum. Ich überlegte lange daran herum, alleine zu verreisen – habe ich noch nie gemacht, stellte ich mir als Erfahrung interessant vor. Zu einer Buchung konnte ich mich allerdings nicht durchringen.

Davon unabhängig traf ich mich vor einiger Zeit in Bremen mit N. Ich kenne sie seit inzwischen gut zehn Jahren, wir sind befreundet, wenn auch nicht sehr eng, aber konstant. Irgendwie hat der Kontakt immer gut gehalten. N. ist ganz anders als ich: spontan, energetisch, Frohsinn versprühend, kreativ begabt und enorm aktiv. Das finde ich bei den meisten Menschen anstrengend, aber nicht bei N. Wir kabbeln uns wegen der unterschiedlichen Naturelle auch mal, aber nicht existenziell. Und tatsächlich waren wir schon zweimal gemeinsam auf Lanzarote, immer mit mehreren anderen Menschen, in meinem Falle begleitete ich Surftrips des Papas.

Ich erzählte ihr von meinen Überstunden. Sie sagte: „Ich fahre Ende November mit meiner Mitbewohnerin nach Lanzarote, du kannst doch mit kommen.“ Die Mitbewohnerin kannte ich nicht, aber ich fühlte mich sofort spontan und energetisch und zückte mein Handy, um Flugpreise zu prüfen. AirBerlin flog sehr günstig nach Lanzarote. Ich wollte mit. Da fiel mir ein: „Frag lieber erstmal deine Mitbewohnerin….“ Diese sagte „ja“, und los ging es, nachdem mein Flug von AirBerlin nach Niki umgebucht wurde. Wegen der Mitbewohnerin machte ich mir erstmal wenig Gedanken – N. mag entspannte Leute, erfahrungsgemäß bin ich meistens die Gestressteste in diesen Konstellationen. So lange ich mich im Griff habe, ist also alles gut. Dennoch fühlte ich mich mutig angesichts dieser doch recht großen unbekannten Variablen.

Am Lanzaroter Flughafen empfingen mich Sonne, 24 Grad und N. sowie ihre Mitbewohnerin A., die schon seit einer Woche auf der Insel weilten, das Apartment bezogen hatten und den Mietwagen fuhren. Wir wohnten in Famara, einem winzigen Dorf im Norden mit dem schönsten Strand und einer großen Surfer-Dichte, und wir hatten es sehr schön. Wir bewanderten die kargen Berge und Vulkane, besuchten Museen zu den Themen Timblen (Saiteninstrumente, ähnlich den Ukulelen) und dem Künstler Cesar Manrique, Handwerkskunstmärkte und Restaurants, kochten und schauten Babylon Berlin, erzählten von unseren Familien und Beziehungen, machten Yoga auf dem Balkon, hingen an Stränden herum und lasen. Nach drei Tagen war ich dann emotional völlig angekommen – zwischenzeitlich hatte ich ein wenig Familie oder D. vermisst – und fühlte mich rundum wohl. Es war ein geiler Weiberurlaub, man kann es nicht anders sagen! In dieser Konstellation würde ich jederzeit wieder in Urlaub fahren. Hätte es länger gedauert, hätten wir sicher unsere Zyklen angepasst.

Und das lag auch, da muss ich mich vor N. verbeugen, an einer sehr guten Taktik von ihr: auf Nachfrage erzählte sie vorab sowohl A. als auch mir, dass die jeweils andere ihr sehr ähnlich sei. Das erwartet man natürlich einen hervorragenden Menschen, auf den man dann so trifft, dem man sehr wohlwollend gegenüber steht. Hat geklappt. Und A. und ich hatten tatsächlich viele Gemeinsamkeiten und daraus resultierende Vorlieben im Zusammenleben, daher konnte man nicht einmal behaupten, dass N. da übertrieben hätte.

Ich würde mal behaupten, da haben alle alles richtig gemacht. Ich freue mich sehr – das war einer der Höhepunkt in 2017, dieser Urlaub.

Es ist besser, nicht zu performen, als falsch zu performen…

… das wird jetzt meine Devise im Büro, das muss mein Chef auch einsehen. „Lindnern“ nennt man das, habe ich heute gelernt. Ganz neue Argumentationsmöglichkeiten in allen Lebenslagen eröffnen sich…!

Aber jetzt mal Spaß beiseite: ich kotze im Strahl. Die Wahrscheinlichkeit für Neuwahlen liegt meines Erachtens bei 90 Prozent: niemand kann so recht vor oder zurück, alle Parteien haben sich festgelegt. Und abgesehen davon, dass ich absolut keine Lust auf noch einen Wahlkampf habe, habe ich noch weniger Lust und Motivation, wenn es einen WINTERwahlkampf gibt und ich mich noch kaum vom Sommerwahlkampf erholt habe. Am absolut beschissensten aber ist, dass ich mich im Falle von Neuwahlen wieder arbeitssuchend melden muss und mein Arbeitsvertrag auf der Kippe steht.

Ich mag nicht mehr.