Stillen? Flasche? Beides. Zwiemilch!

Die Krabbe habe ich vor sechs Jahren fünf Monate voll gestillt. Rein körperlich lief das prima, aber die extreme Gebundenheit an das Kind, kombiniert mit einem nicht besonders engagierten Vater und einer, wie ich im Nachhinein vermute, Wochenbettdepression, war sehr schwierig für mich. Ich wollte es dieses Mal anders machen.

Beim neuen Baby hatte ich also einen Plan: von Anfang an ein Fläschchen am Abend. Damit ich mich um die Krabbe kümmern kann, mal früh ins Bett gehen, mal raus kann. Damit D. auch füttern kann. Den Rest wollte ich stillen, zumindest ein paar Monate lang, so wie es eben passt.Ich informierte mich über Zwiemilch und entschied mich, dass ich das alles sehr sinnvoll und vertretbar fand. Stillen kombiniert mit Premilch im Fläschchen, das klang für mich praktikabel. Das Wort Saugverwirrung tauchte bei der Recherche immer wieder auf, aber okay – das ist ja kein irrevisibler Zustand. Würde ich so etwas mitbekommen, würde ich halt das Fläschchen wieder weglassen.

Und hat es funktioniert? Die Kurzfassung: ja. Die Langfassung:

Drei Wochen stillte ich ausschließlich und oft nach der Geburt, dann führten wir das erste Fläschchen zur Nacht ein. Ich durfte endlich wieder schlafen. Während ich dies tat, gab D. nachts nach ein paar Tagen noch ein zweites Fläschchen, wenn das Baby wieder wach wurde. Ich wusste davon das erste Mal nichts, hatte aber nichts dagegen – ich konnte noch länger schlafen! Das war auch nötig, denn die Krabbe war in den ersten Monaten nach der Geburt extrem aufmerksamkeitsbedürftig, um es diplomatisch auszudrücken. Ohne Schlaf auf meiner Seite schrien und weinten wir beide viel.

Es pendelte sich dann bald so ein, dass ich früh ins Bett ging und D. zwei Mal pro Nacht Fläschchen gab. Ich übernahm dann die Frühschicht, also ab ca 5 Uhr morgens war ich zuständig und stillte wieder. Eine sehr gute Lösung für uns, denn D. geht gerne spät ins Bett und schläft nach einer Fütterphase sofort wieder ein. Ich habe nichts gegen Frühschichten – auch wenn ich dann nicht mehr einschlafen kann -, so lange ich früh ins Bett gehen kann, und D. kann so länger schlafen. Tagsüber hatten wir auch gerne mal Dauernuckelschichten, weil ich es sehr gemütlich fand, zwei Stunden mit dem dösenden und stillenden Kind an der Brust zu lesen. Diese wurden allerdings immer weniger, je älter und aufmerksamer und leichter abzulenken das Baby wurde.

Inzwischen ist das Baby 8,5 Monate alt, ich arbeite wieder 25 Stunden pro Woche und ich stille immerhin noch 2-3x pro Tag. Damit hatte ich nicht gerechnet, für mich ist das viel länger als gedacht, aber ich tue es sehr gerne – auch deshalb, weil es sich durch das Zufüttern so anfühlt, als könne ich frei entscheiden, wann ich stille, und dass ich die Freiheit habe, das Haus ohne Baby zu verlassen. Ein riesiger Unterschied zum Stillen meiner ersten Tochter, bei der ich mich regelrecht gezwungen gefühlt habe. Tenor in meinem Kopf damals: man stillt halt, und zwar ganz oder gar nicht.

Eine Saugverwirrung gab es übrigens nicht nicht. Das Baby hat meine Brust zwar ab und an angeschrien und verweigert, aber das taten die voll gestillten Kinder im Umkreis auch manchmal. Der Wechsel zwischen Brust und Flasche war nie ein Problem – manchmal wechsele ich innerhalb einer Fütterung von Flasche zu Brust zu Schnuller, und das Baby macht halt einfach.

Aus meinen Erfahrungen heraus kann ich Zwiemilch also nur empfehlen! Das Beste aus der Stillwelt und der Fläschchenwelt vereint, so sehe ich das.

WMDEDGT 05.07.2019

Endlich mal wieder Tagebuchbloggen! Alle anderen, die bei Frau Brüllens monatlicher Aktion mitmachen, findet ihr hier.

Achtung, das wird nur semiinteressant für alle, die kein besonderes Interesse an Elternzeit-Content haben. Aber die anderen können sich freuen!

04:00 Gequake aus dem großen Schlafzimmer, ich sehe, wie das Licht angeht. Das Baby ist wie immer pünktlich, D. gibt jetzt wohl Fläschchen. Ich schlafe weiter.

05.20 Gequake aus dem großen Schlafzimmer. Das ist früh. Ich bringe mich in Stillposition, D. bringt mir das Baby: Schichtwechsel. Ich stille, das Baby schläft wieder ein und ich döse auch noch etwas, allerdings eher wenig. Das Baby ist unruhig, und ich schlafe nach dem Stillen eh nicht wieder gut ein. Auch ein Grund, weswegen D. von Anfang an den Großteil der Nächte übernommen hat.

06:40 Das Baby beschließt, wach zu sein. Ihr Schnupfen stört den Schlaf anscheinend. Ich stille noch einmal, wir schäkern ein bisschen, dann gehe ich Kaffee kochen, D. wecken, die Krabbe wecken. Die hat heute durchgeschlafen und wird wie immer nur schwer wach, das erste Motzen bahnt sich an. Ich hole das Baby, das macht der Krabbe immer gute Laune, und wir kuscheln noch etwas zu dritt. Dann Aufteilung: D. zieht das Baby an und nimmt sie mit ins Bad, ich mache betreutes Anziehen bei der Krabbe. Sie motzt und zetert. Irgendwann wird es mir zu viel, ich verlasse ihr Zimmer. Das macht sie noch wütender: sie knallt die Zimmertür, dann geht sie ins Bad und wirft Schmutz- und saubere Wäsche in die Badewanne. Immerhin kreativer Protest, aber D. und ich werden fuchsig: was nun sauber war und was nicht, ist nicht mehr zu erkennen. Die Krabbe wird am Wochenende mit uns waschen müssen.

08:10 D. und die Krabbe brechen auf zur Kita und zur Arbeit. Das Baby ist weinerlicher als sonst um diese Zeit, und ich beschließe, sie früher hinzulegen. Normalerweise ist sie zwei Stunden wach zwischen den Schläfchen, aber der Schnupfen scheint sie auszuknocken. Noch kurz mit einer Freundin den samstäglichen Schwimmbadbesuch klären: Babyschwimmen geht so nicht, also werde ich wohl nur mit der Krabbe gehen. Ich stille, das Baby schläft ein. Jetzt habe ich 30 Minuten, bis sie wieder wach wird.

08:30 Ich koche die Fläschchen aus und mache mir einen Kaffee mit Milchschaum, checke meine Aktien und fange diesen Beitrag an. Anziehen und Frühstücken kann ich auch noch mit Baby.

9:10 Das Baby wacht auf. Ich dusche, ziehe mich an, frühstücke, mache ein paar Handgriffe im Haushalt. Mit Blick auf das chaotische Schuhregal miste ich 5 Paar Schuhe aus, die noch gut in Schuss, aber seit über einem Jahr nicht mehr im Einsatz sind.  Ich denke an Madame Moneypenny, die ich seit einiger Zeit entdeckt habe und großartig finde: ausmisten und verkaufen bringt Geld!, und so beginne ich mit Fotos, um die guten Stücke online zu verkaufen. Das Baby quengelt allerdings neben mir herum, ich komme nicht besonders weit, füttere das Baby und beschließe, dass ich mehr Geld als Zeit habe und nur die allertollsten zwei Paare für einen Kleidertausch aufheben werde, der eventuell mal des Weges kommt, und die anderen Paare zum Tauschregal um die Ecke bringe. Hochmotiviert werden einige Kleidungsstücke demselben Zwecke zugeführt.

11:00 Das Baby quengelt wieder, sie ist müde. Ich will heute mal versuchen, sie ohne stillen hinzulegen – in 4 Wochen arbeite ich wieder, dann werde ich nur noch morgens und abends stillen. Der Wegfall des Einschlafstillens macht mir allerdings Sorgen (und tatsächlich macht es mich auch ein bisschen traurig, was mich überrascht. Bei der Krabbe habe ich wild gefeiert, als ich nach fünf Monaten abgestillt hatte). Nachts funktioniert es mit Fläschchen, aber tagsüber haben wir es so noch nie probiert. Ich lege mich mit dem Baby hin, sie bekommt das Fläschchen, dann Schnuller, Augen fallen zu, sie reißt sie wieder auf, zappelt, Fläschchen, Schnuller, quengeln, zappeln, nach insgesamt zehn Minuten schläft sie. Piuh! Das wäre auch geschafft.

12:00 Sie ist wieder wach. Ich mache etwas Wäsche und bin ratlos, was ich zu Mittag essen soll, wie jeden Mittag. Das ist echt eine Herausforderung der Elternzeit, ich hasse das. Drei Monate lang gab es belegte Brötchen vom Bäcker, weil man die gut mit Baby in der Trage spazieren gehend essen konnte, aber inzwischen kann ich die nicht mehr sehen. Heute gibt es aus den Nudelresten von gestern und Ei Nudeln mit Ei. Schmeckt leider nicht gut. Dann lernt das Baby „Hoppe, hoppe Reiter“ kennen und schmeißt sich wech – das ist der Hammer, offensichtlich.

14:00 Das Baby will nicht schlafen, aber ich muss heute pünktlich die Krabbe abholen, also stecke ich die Frucht meiner Lenden in den Kinderwagen und latsche durch den Sprühregen, 18 Grad und Wind, ein paar Runden. Also, der Hamburger Sommer ist wie sonst auch, der Klimawandel ist hier nicht zu spüren…. Das Baby schläft, ich steige in den Bus zur Kita. Hier warten die Krabbe und ihre Freundin, die sie heute das erste Mal besuchen will. Alleine traut sie sich aber nicht so recht und wollte, dass ich das erste Mal mitkomme. Das habe ich einige Zeit verweigert – die armen anderen Eltern, da hocke ich denen den ganzen Nachmittag auf der Pelle, und arme ich! -, aber die Krabbe hatte dann vorgeschlagen, dass ich eine halbe Stunde mitkomme, und wenn ich gehe, entscheidet sie selbst, ob sie bleibt oder lieber mit mir geht. Fand ich eine gute Idee, und die andere Mutter war etwas amüsiert, aber einverstanden gewesen. Also begleite ich die beiden Mädchen, bekomme Kuchen, das Baby wird von den großen Kindern der Familie entführt (also richtig groß, die sind zwischen 15 und 21 Jahre alt, Krabbes Freundin ist eine Nachzüglerin) und gehe nach 45 Minuten wieder. Die Krabbe bleibt.

16:15 Wieder zu Hause. Das Baby hat eine längere Wachphase, es ist offensichtlich wieder defekt. Es hatte doch gerade so einen schön berechenbaren „2 Stunden wach, 30 Minuten schlafen“-Rhythmus! Na ja, was solls. Ich instruiere D., damit er die Krabbe später abholen kann, und lege das Baby alle 15 Minuten an, das muss ja irgendwann müde sein. Gegen 17:30 ist das der Fall, und ich mache noch ein paar Rückenübungen auf der Yogamatte.

18:30 Krabbe und D. schlagen auf und bringen Döner mit, und ein Freundschaftsbuch, das wir nach dem Abendessen ausfüllen. Danach geht es ab ins Bad für die Krabbe, und mir graut ein wenig vor dem Ins-Bett-bringen. Wir versuchen gerade, die immer noch aktive Einschlafbegleitung, d.h. ein Erwachsenes liegt mit bei der Krabbe im Bett, bis sie schläft, abzuschaffen. Es dauert ewig, um die 30-40 Minuten, bis die Krabbe dabei einschläft, und mit zwei Kindern kann und will ich das nicht mehr. Ich will das Zimmer verlassen können. Die Krabbe allerdings wehrt sich heftig gegen diese Änderung, es spielen sich sehr emotionale Szenen ab, und die Abende sind ganz greulich deswegen. Heute aber geht es besser. Ich stille nach dem Badezimmer noch einmal, übergebe das „Fit wie ein Turnschuh“- Baby an D., lese noch ein paar Kapitel Olchis vor, kuschele noch zehn Minuten im Krabbe-Bett und dann beginnen die Verhandlungen. Wir einigen uns auf: ich gehe 3 Minuten raus und komme dann für 7 Minuten wieder, so oft, bis sie schläft. Erstaunlicherweise schläft sie beim ersten 7-Minuten-Slot ein. Es geht wirklich viel schneller so, warum auch immer.

20:45 Auch das Baby schläft bei D. im Tuch, zwischendurch hat er noch beim Kiosk Schokoriegel besorgt. Bester Mann. Ich gehe noch einmal duschen, diesmal in Ruhe und ausgiebig (das Wellness-Belohnungs-Programm für mich zur Zeit), er legt das Baby ab, und dann gibt es noch eine Folge Star Trek Discovery für uns, bei der ich selig einschlummere. Das war ein guter Tag gewesen.

 

Mental Load: Elternzeit und Wechselmodell

Auf dem Blog Kinder haben hat Sophie etwas zur Aufteilung der Aufgaben bei ihr zu Hause geschrieben, was ich sehr interessant fand und zum Anlass nehme, auch mal unsere Aufteilung aufzudröseln. Wir haben eine nicht ganz gängige Situation: die Krabbe lebt im Wechselmodell bei uns, und seit knapp vier Monaten bin ich in Elternzeit. D. arbeitet seit erst kurzer Zeit Vollzeit, hat aber immerhin zwei halbe Tage Homeoffice herausschlagen können, an denen er abends noch Arbeit nachholt, weil er tagsüber dann doch recht präsent zu Hause ist.

Wir handhaben das generell so: jede/r Erwachsene hat Zuständigkeiten bei uns, und der oder die andere pfuscht dem Gegenpart nicht rein. Beziehungsweise macht sich weiter keine Gedanken, wie man es besser machen könnte und enthält sich der meisten Kommentare darüber. Der Mental Load, also der organisatorische Anteil an den Aufgaben – wann sind sie zu erledigen, was hängt damit zu zusammen – liegt also bei der Person, die die Aufgabe erfüllt. Das ist durch die Elternzeit etwas aufgeweicht, weil ich einfach so erschütternd viel mehr zu Hause bin, dass ich aus purer Alternativlosigkeit und Langeweile dann doch etwas mehr mache. Wobei das nicht verpflichtend ist: wir sind uns hier einig, dass Elternzeit nicht Haushaltszeit bedeutet.

Daher fange ich mal mit der Situation vor der Elternzeit an, das ist quasi die reine Lehre. Die Rahmenbedingungen sind übrigens gut, u.a. wegen

  • gemeinsam eine saubere Wohnung nicht sooo wichtig finden
  • eine Kita, in der elterliches Engagement nicht vorausgesetzt wird
  • einen sehr großzügigen Kitagutschein, der Spielraum bei den Abholzeiten lässt
  • Arbeitgeber, die Flexibilität erlauben
  • eine komfortable Einkommenssituation

Die häuslichen Aufgaben verteilen sich wie folgt:

Ich:

  • Küche putzen
  • staubsaugen
  • Müll
  • Alltagskochen (würde D. auch machen, aber der schafft es einfach nicht auf den Punkt zu kochen, und es macht mich wahnsinnig, wenn sich die Essenszeit um 15 Minuten nach hinten verschiebt. Ich bin Alkoholikerinnenkind, ich habe ein paar Unflexibilitäten)
  • Orga rund um die Krabbe an den Tagen Mittwoch, alle zwei Wochen Freitags und Wochenende sowie die Verantwortung um ihren Kleiderschrank, Arzttermine, Kitawege, Geburtstagsgeschenke etc. Das teile ich mir allerdings mit ihrem Vater, der entsprechendes Montags und Dienstags und an seinen Wochenenden übernimmt. Dafür kommt noch das Herumschlagen mit dem Vater für mich dazu.
  • Biokisten-Bestellung
  • Hofpflege des durch die Hausgemeinschaft genutzten Innenhof
  • Urlaubsplanung kleiner Urlaub

D.:

  • Wäsche
  • Bad putzen
  • aufwendiges Kochen
  • Samstagseinkauf
  • Orga rund um die Krabbe Donnerstags
  • Backen und Essensmitbringsel für Einladungen
  • Versicherungen und Gemeinschaftskonto verwalten
  • Urlaubsplanung großer Urlaub

gemeinsam:

  • Essenspläne erstellen und Einkaufslisten pflegen
  • Wochenendgestaltung
  • Körperpflege und ins Bett bringen der Krabbe
  • Schrebergarten-Orga und -Arbeit
  • Hausflur putzen
  • Geschirrspüler ein- und ausräumen

Mit der Elternzeit und dem Baby ist noch einiges dazu gekommen bzw. hat sich verschoben. Ich mache zu Hause dann doch mehr Wäsche, weil ich eh jeden Tag gefühlt einmal in Milch geduscht werde und öfter frische Sachen brauche (mein Milchspendereflex kommt direkt aus der Hölle) und man kann das super mit dem Baby in der Trage erledigen. Außerdem kümmere ich mich verstärkt um die Essensplanung. Die Müll-Organisation hat dafür D. übernommen. Neue Mental-Load- Bereiche:

ich

  • stillen
  • tagsüber ums Baby kümmern inklusive Arztgänge, Behördengänge, Klamottenbeschaffung etc pp
  • dem Baby als Schlafunterlage dienen, weil es sich nicht ablegen lässt und ich vom längeren Tragen Rückenschmerzen bekomme
  • renitente Krabbe betüdeln, wenn sie bei uns ist
  • um meinen schwangerschaftslädierten Körper kümmern (Nachsorge, Verhütung, Rückbildung, Narbenpflege)

D.:

  • nachts Fläschchen geben inklusive Fläschchenpflege, Pre-Milch-Beschaffung etc
  • Baby im Tuch tragen, wenn er da ist
  • Baby betüdeln, wenn die renitente Krabbe da ist

Das ist recht gerecht, finde ich, und ich bin zufrieden. Das Grundgerüst ist stabil, auch wenn die jetzige Situation nicht von Dauer sein wird. D. wird noch sechs Monate Elternzeit alleine übernehmen, und wenn ich in Kombination abgestillt habe, wird sich dann wieder einiges verschieben, danach sind noch Partnerschaftsmonate geplant, und dann werden wir sehen, wie sich die Arbeitsstunden hier verteilen.

Meine Prämisse für mich: nicht weniger als 30 Stunden und mindestens zwei lange Tage in der Woche, an denen ich nachmittags/abends arbeite und ein existenzsicherndes Gehalt, mit dem zur Not eine Wohnung für mich und zwei Kinder möglich wäre. So war es vor der Elternzeit auch geregelt und in Kombination mit dem Wechselmodell sehr leicht möglich. Jetzt mit Vollzeitbaby wird das alles etwas knapper, aber ich bin optimistisch, dass es trotzdem möglich ist. Denn nicht nur ich, auch D. gruselt sich latent bei der Vorstellung, dass er Vollzeit arbeitet, das meiste Gehalt nach Hause bringt und ich zuverdiene. Er hat schon empört aufgemerkt, als ich meine Arbeitszeit für die Zeit seiner Elternzeit auf 25 Stunden reduziert habe. Er so: „Verstehe ich nicht. Dann verdienst du am Ende weniger als ich? Und ich will doch alleine mit dem Baby zu Hause sein, darum ging es doch!“ Ich so: „Ja nun, dann gehe ich halt in den 5 Stunden weniger Arbeitszeit in die Therme oder zum Sport, das ist völlig okay für mich!“ Und tatsächlich verdiene ich auch mit 25 Stunden nicht deutlich weniger als er in Vollzeit. Zumindest für ein paar Monate ist das für mich tragbar.

Grundsätzlich wäre mein Fazit: ein Partner, der etwas gegen traditionelle Paarmodelle hat, ist eine hervorragende Grundvoraussetzung für eine entspannte Arbeitsaufteilung. Außerdem müssen beide Parts eine ähnliche Auffassung davon haben, WIE einzelne Aufgaben erledigt werden sollte. Wenn einer am liebsten jeden Tag eine frisch geputzte Toilette hätte, die andere aber einmal pro Woche für ausreichend hält, kann man sich vorstellen, wer das Toilettenputzen am Ende übernimmt. Es hilft außerdem, wenn beide ungefähr gleich verdienen oder die Frau einen höheren Stundenlohn hat.

Die Aushandlungsprozesse sind vor allem bei Veränderungen der Gesamtsituation wie etwa Arbeitsplatzwechsel, Institutionenwechsel bei den Kindern etc tatsächlich etwas anstregend und lästig, aber während der normalen Zeiten reicht zumindest bei uns ein wöchentliches Gespräch über die nächste Woche und wer was übernimmt.

Ich würde es nicht anders haben wollen.

 

Fast euphorisch

Auch wenn es uns hier ganz gut geht, was vor allem dem ausgeglichenen Gemüt der Babytochter und dem Engagement von D. geschuldet ist: zwei Kinder sind irre anstrengend. Das Wechselmodell hat dabei Vor- und Nachteile. Wir können zwischendurch alle verschnaufen – andererseits gewöhnen sich die Beteiligten langsamer an die neue Situation, es bleibt länger anstrengend.

Endgegner sind für mich die Nachmittage alleine mit beiden Kindern. Die Babytochter lässt sich zum Schlafen nicht ablegen. Tagsüber  bleibe ich zum Schlafen also bei ihr, wenn wir alleine sind. Mit Krabbe geht das natürlich nicht.

Die Tragehilfe ist da das einzige Mittel, macht mir allerdings schnell Rückenschmerzen. Es hilft nix, ist aber auch kein Quell der Freude und entspannter Stimmung, und die Krabbe hat seit der Geburt oft verständlich schlechte Laune und verbessert die Stimmung ebensowenig. Das überfordert mich, und oft schaffe ich dann keine pädagogischen Glanzleistungen, was mir dann auch wieder leid tut und der Stimmung nicht zuträgt.

Auch schwierig: morgens. Die Krabbe ist eh Morgenmuffel, und wenn man dann die Augen aufschlägt, und dann hängt da schon die Schwester an Mamas Brust und man kann nicht kuscheln… Darauf folgt gerne ununterbrochenes Genörgel und Gejaule bis zum Aufbruch, was mich wirklich aggressiv macht. Gerne kommt dann: „Ich will nicht in die Kita!“, und wo mein Mutterherz anfänglich nachgiebig war, habe ich bei der Vorstellung aktuell nur panische Gefühle.

Aber es wird besser. Gestern nachmittag und heute früh war es regelrecht entspannt. Das ist wahrscheinlich keine lineare Entwicklung, aber ich freue mich gerade sehr, sehr über die letzten Stunden als vierköpfige Familie. Hoffentlich gibt’s das ab und an mal wieder.

Rückblick: Schwangerschaft, ein langer Weg.

Ich habe ganz fest vor, nicht nur Baby-, Familien- und Schwangerschaftsartikel zu posten, aber ein Artikelchen über Schwangerschaft und Geburt sei mir gestattet. Heute also: wie ich guter Hoffnung war.

Es war ein mühsames Unterfangen. D. und ich rödelten insgesamt drei Jahre, um das gemeinsame Kind auf den Weg zu bringen. 1,5 Jahre passierte gar nix, dann ein Windei, sechs Monate später wieder ein positiver Schwangerschaftstest. Ich freute mich wieder – zweimal Pech wäre ja schon sehr unwahrscheinlich. Ich besorgte mir sofort eine Hebamme und genoß die ersten Anzeichen. Doch der Gynäkologinnentermin zeigte: der Embryo war zu klein. Ich konnte es kaum fassen, aber die Kontrolle bestätigte meine Befürchtungen. Wieder kein Baby. Anders als beim Windei entscheid ich mich diesmal für eine Absaugung, was ambulant bei meiner Frauenarztpraxis durchgeführt wurde. Den Umständen entsprechend lief alles prima, aber seelisch waren wir recht zerschreddert.

Wieder sechs Monate später (immerhin ein konstanter Rhythmus), wieder ein positiver Test. Diesmal freute ich mich nicht so doll, ich war der Geschichte etwas müde und beschloss, dass dies der letzte Versuch sein würde. Immerhin, halleluja, die Müdigkeit blieb, der Embryo wuchs, mir war vier Wochen konstant übel etc pp. Alle so: „Hey, voll gut, dass dir schlecht ist, das spricht für eine intakte Schwangerschaft!“ Ich so: „Böargh. Ja, voll schön.“ Das einzige, was gegen die Übelkeit half: essen. Über Essen nachdenken löste aber Übelkeit aus. Das mittägliche Bürokochen wurde zu einer wahren Qual, dennoch schaffte ich es, während der Schwangerschaft ungefähr 23 Kilo zuzunehmen. Sport kam so nicht in Frage, und als die Übelkeit verging, kam die Müdigkeit und ziemlich schnell die Kurzatmigkeit. Insgesamt war die Schwangerschaft komplikationslos, aber ziemlich beschwerlich, und immer wieder kam die Sorge, dass doch noch etwas schief gehen könnte. Immerhin hatte ich eine Hebamme ergattert und einen der raren Geburtshausplätze in Hamburg, denn bei der zweiten Geburt wollte ich es kuschelig haben.

So richtig entspannt war ich aber leider nicht in der Schwangerschaft, und das setzte sich bis zum Ende fort. Das Kind wuchs und gedieh zwar, stellte sich zu gegebener Zeit als Mädchen heraus, was mich sehr freute, und blieb aber in mir sitzen, ohne sich zu drehen. Beckenendlage. Na prima! Der Kopf drückte permanent in meine Lunge, die Geburtshausgeburt rückte in weite Ferne. Meine Entbindungsklinik geriet in die Schlagzeilen, weil drei Wochen vor meinem Geburtstermin die halbe Ärztinnenschaft der Geburtsstation kündigte, und ich bekam Schnappatmung, nicht nur wegen der Beckenendlage. Immerhin hatten die Ärztinnen eine lange Kündigungsfrist und versicherten mir während der Anmeldung, ich könne gerne auch in Beckenendlage spontan entbinden. Oder gleich einen Kaiserschnitttermin machen, oder noch eine äußere Wendung der Sturbohne versuchen.

Ich entschloss mich, das Kind entscheiden zu lassen, vielleicht würde sie sich ja noch von selber drehen. Die äußere Wendung erschien mir extrem aktig dafür, dass man nur 50 Prozent Erfolgschancen hat, und doch sehr invasiv…  Und meine Mutter hatte mich, ebenfalls Beckenendlage, schließlich auch rausgeprengelt bekommen, also hatte ich da ein gutes Vorbild.

Kurze Zusammenfassung der Geburt: zehn Tage vor Termin platzte abends die Fruchtblase, Krankenwagen, Wehenbeginn einige Stunden später. 12 Stunden ineffektive Wehen: Muttermund sperrangelweit offen, Kind hing immer noch in den Rippen herum und dachte gar nicht daran, sich rausprengeln zu lassen. Ich war ungeheuer erschöpft. Kurz vor der PDA wurden die Werte schlecht, und das Wort Kaiserschnitt fiel. Gierig riss ich dem Arzt den Aufklärungsbogen aus den Händen und unterschrieb. Der schönste Moment war, als ich auf dem OP-Tisch lag, die Schmerzen aufhörten und nichts mehr von mir erwartet wurde. Und dann war der schönste Moment, als unsere Tochter quakte und mir auf die Brust gelegt wurde, groß und stark und gesund.

Und da sind wir nun! Wochenbett und alles danach waren gegen die Schwangerschaft und Geburt ein Klacks. So kann es also weiter gehen.

Im Club

Ich tüdel zu viel am Handy seit dem Baby, vor allem auf Intstagram, nun weiß ich es sicher. Denn heute war das so: ich war EINMAL auf dem Insta von Marc Jacobs (weil ich Pearl von RuPauls Drag Race folge, aber ehrlich, der hatte echt viele OPs und sieht jetzt so anders aus), und dieser böse Mensch hat einen Beitrag mit 50Cent unterlegt. Jetzt habe ich einen Ohrwurm ohne Melodie. Hier, nehmt das!

Also höre ich das gerade in Dauerschleife, mache coole Moves im Bett, erinnere mich recht vergnügt an Partys vor zehn Jahren und stelle mir die rauschenden Partys vor, auf denen ich demnächst geschmeidigst hierzu shaken werde (na ja, oder die Ü40-Party in zehn Jahren, aber egal). Dabei ist es schon 22.15 Uhr!!! Und deshalb werde ich wohl zu spät schlafen, ich bin ganz aufgekratzt und überlege, noch a bisserl Nellys größte Hits aufzulegen. Teufelszeug, dieses Internet.