Erfolgreich gegendert, SPON!

SPIEGEL online bietet oftmals vielerlei Verdruss. Heut aber konnte ich es kaum glauben – ich, die die Suche nach einer geschlechtergerechten Sprache als kleines Steckenpferd betreibt, habe dort einen Artikel gefunden, der meine Lieblingsvariante des gendern lebt: er wechselt vom generischen Maskulinum ins generische Feminimum, und wenn exemplarisch Einzelpersonen genannt werden, wird auch hier das Geschlecht gewechselt. Beim Teasertext fiel es mir auf: „Dieselbe Inszenierung, diesmal nur mit schwarzen Darstellerinnen: An den Münchner Kammerspielen geht Anta Helena Reckes Experiment vollends auf. Ihre „Mittelreich“-Kopie ist die innovativste und politischste Inszenierung der Saison.

Ich war misstrauisch. Eventuell handelte es sich ja wirklich um ein Stück, in dem nur Frauen mitspielen, aber das Foto zeigte mir sehr männliche Darsteller. Ich las also auch den Rest und konnte es kaum glauben. Diese Art der Sprache, einfach etwa gleich viel beide Geschlechter zu verwenden, wurde mir in Schreibworkshops bereits als eleganteste Möglichkeit zu gendern verkauft, und ich sehe das inzwischen ähnlich und praktiziere es so oft wie möglich (und so oft ich daran denke). Hier habe ich es das erste Mal in einem Massenmedium gesehen. Und was soll ich sagen: ich finde es so von außen betrachtet sogar sehr elegant. Es ist leserinnenfreundlich, kein Sternchen oder Binnen-I stört. Man stutzt bei den „Kritikerinnen“, denn man sieht einen Haufen Frauen vor seinem inneren Auge. Dass der Autor die Männer mit meint: geschenkt. Auf einmal wimmelt es in meinem Kopf nur so von Frauen, die man bei Texten im generischen Maskulinum einfach nicht vor sich hat.

Dieser Text alleine hat mir so deutlich wie nie ein Text zuvor vor Augen geführt, wie unsichtbar Frauen durch die gebräuchliche Sprache werden. Alleine dadurch, dass sie plötzlich sichtbar werden, wenn man das generische Maskulinum nicht als einzige Option begreift.

In meiner Ekstase wollte ich mich sogar bei SPON registrieren und mich in einem Kommentar bedanken. Hat natürlich nicht geklappt, die Registrierung. Falls also jemand hier mitliest und einen Zugang hat: würdet ihr das übernehmen? Und grüßt schön von mir!

Advertisements

Große Lied-Liebe und Erkenntnisse zum Essen gehen

Reinhören empfiehlt sich sehr. Ja, ich sehe das Start-Bild des Videos, es ist wahrlich schauderhaft, aber glaubt mir, das Lied ist ganz toll!

Gestern war ich mit D. auswärts essen, ich lud ihn ein, es gab Libanesisches. Das Restaurant wird auf Reise-Portalen auf Platz 1 der Restaurants dieser Stadt geführt, ich gab für meine Verhältnisse Unmengen an Geld aus für zwei Menüs und Wein und Wasser. Das war auch völlig in Ordnung, es war sehr lecker. Aber. Ich war nicht geflasht.

Warum auch immer: jede zweite thailändische Garküche bringt meine Geschmacksknospen mehr freudig zum Erzittern als jedes hochgelobte Restaurant, dass ich jemals betreten habe, inklusive der thailändischen. Es hat sicherlich auch mit Erwartungshaltungen zu tun, aber ich befürchte das Schrecklich und Unabkömmliche: ich muss leider wieder nach Asien. Wegen des Essens. Zweimal 16 Stunden Flug, jeweils drei bis vier Tage Jetlag, Klimaanlagenschnupfen, Desorientierung, Hilflosigkeit – ich hasse Fernreisen. Und doch: das Essen.

Gesehen: Blade Runner (2049), The Night Manager, DS9, The Client List, IT

 

Zuletzt war ich viel im Kino und auf Netfli* unterwegs. Ich liebe Filme und Serien, und so ein Netfli*-Account ist ja gerade für junge Eltern oder Wahlkämpferinnen und andere Menschen, die nicht gerne das Haus verlassen, ideal. Aber wenn man dann mal rausgeht, lohnt es sich auch: Parallel zum streaming-Trend entwickeln die Kinos sich anscheinend immer öfter zu eher luxuriösen Filmpalästen. Für 2 Euro mehr gibt es hier größere Sitze mit verstellbaren Lehnen. Eine Entwicklung, die als Ticketpreistreiber 3D abzulösen scheint und die zumindest meine Bedürfnisse sehr viel besser erfüllt. Im Savoy in Hamburg – mein allerliebster Lieblingsort! – gibt es sogar Fußhocker. Es ist grandios. Ich liebe mein Leben. Nun aber: das Gesehene der letzten Zeit.

Blade Runner

Kurz vor dem Erscheinen des Nachfolgers hatte ich die Gelegenheit, den Ursprungsfilm auf großer Leinwand zu sehen. Dazu muss ich wahrscheinlich nicht viel sagen: ich fand ihn schon immer grandios, ich finde ihn im Kino noch grandioser. Sehr wohltuend im Vergleich zu den heutigen Blockbustern ist die frappierende Abwesenheit von Schießereien, Geballer und Gewumse. Das brauche ich ja immer nicht, da schlafe ich auch gerne ein, weil ich das so langweilig finde. Madame C. mochte den Film nicht, aber sie mag sowieso kein Science-Fiction und sah sich das alles nur mir zuliebe an, das zählt also nicht.

Blade Runner 2049

Bitteschön: auch grandios! Fast noch grandioser! Besonders gut hat mir gefallen, dass es einige interessante Frauenrollen gab: sie durften einfach böse und gemein und skrupellos und mordlustige Androiden sein, ohne knutschen zu müssen und/oder mit Liebeskummer bestraft zu werden. Ein sehr schöner Beleg der These, dass es bei vielen Rollen nichts ausmacht, ob sie mit einem Mann oder einer Frau besetzt werden – für die Geschichte macht es jedenfalls keinen Unterschied. Der Bechdel-Test wurde übrigens dennoch nicht bestanden: als sich zwei Frauen unterhielten, taten sie dies über den Protagonisten. Aber gut, ich war großzügig gestimmt. Die Stimmung des Ursprungsfilm wurde enorm gut getroffen, was mir sehr gefiel. Chantalle fand den Film übrigens wahrscheinlich genau deswegen zu langatmig, dafür war der sonst sehr kritische D. milde gestimmt. Und ich muss leider sagen: Ryan Goslings 1,25 Gesichtsausdrücke gehen mir zunehmend auf die Nerven. KANN er überhaupt andere? Oder erwische ich zufällig immer die Filme, in denen er den schweigsamen Stoiker mimt? Bei „Drive“ war das ja noch sexy, aber das ist sechs Jahre her…

The Night Manager

Super Sache, das. Die ersten vier Folgen in einem Rutsch durchgeschaut – Sonntag ist die zweite Hälfte dran. Tom Hiddlestone ist ein Hotelier, der vom Geheimdienst angeworben wird und in das Haus von Hugh Laurie, hier Waffenhändler, eingeschleust wird. Schöne Bilder, schöne Menschen, sehr nachvollziehbare Charaktere und eine sich subtil aufbauende Spannung machen das Ganze zu einem großartigen Vergnügen. Die Kritiken waren durchaus durchwachsen, habe ich gesehen – aber mir gefällt es.

Star Trek DS9

Da mir Netfli* Dr House geklaut hatte, meine aktuelle Runterschau-Entspannungs-Serie, wich ich auf Commander Sisko auf der Raumstation Deep Space 9, am Wurmloch rechts, und die Bajoraner aus. Ein Ableger des Star-Treks-Universums, auch bekannte Gesichter von Next Generation kommen vor, aber auf Grund der Inmobilität der Raumstation sind die Geschichten deutlich anders gelagert. Weniger Exploratives, mehr Kolonialismusdiskussionen, mehr Konflikte.

Das Ganze ist schon etwas älter, aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, und das sieht man natürlich auch. Meine Güte, diese Spezialeffekte sind so putzig aus heutiger Sicht! Die Story ist etwas doll esoterisch und Sisko nervt ein bisschen jovial-süffisant herum, aber Major Kira und Odo und Quark sind ganz doll super und machen Spaß, daher mache ich das weiter. Zur Entspannung. Das geht dann also so: ich freue mich auf eine schöne Folge DS9, schlüpfe ins Bett, mache den Laptop an, das Licht aus, schaue motiviert 10 Minuten und schlafe dann wohlig ein. Beim nächsten Mal mache ich mit der nächsten Folge weiter. Das nicht-horizontale Erzählen der älteren Serien hat auch seine Vorteile, da muss ich nicht überlegen, an welche Stelle genau ich weg gedämmert bin…

The Client List

Äh bäh pfui, wie scheiße und dämlich ist das denn, ich bin voller Verachtung! Da habe ich auf der Suche nach einer Entspannungsserie mal reingeschaut. Macht das nicht! Jennifer Love Hewitt spielt herzig-süße Sexbombe, die überraschend von ihrem arbeitslosen Mann verlassen wird, obwohl sie immer voll wenig anhat, und die sich und die Kinder dann mit „Massagen plus“ im Wellnesssalon durchbringt. Natürlich zieht sie immer mit Spaß an der Arbeit (sie ist einfach so eine, die immer liebt, was sie tut, sie kann nicht anders) die dollsten Negligees an, was ihre Klienten (stets durchtrainiert, ganzkörperrasiert, jung und attraktiv) freut. Aber eigentlich wollen sie nur mit der Protagonistin reden, weil die einfach super knuffig-herzlich ist. Damit rettet sie natürlich so manche Ehe! Wird aber von den Ehefrauen immer böse missverstanden und gemobbt, es ist eine Schande.

Es hat mich nicht gewundert, dass Jennifer Love Hewitt das ganze selbst produziert hat. Ich habe mal einen Film gesehen, den sie produziert hatte, der war genauso scheiße. Immerhin habe ich bei der Gelegenheit mal herausgefunden, wie ich Serien aus der „Weiterschauen“-Sektion bei Netfli* entfernen kann. Es ist kompliziert, aber möglich.

IT

Ach ja, kann man machen, ich bereue nichts, aber es war jetzt nicht sooo gruselig. Das Buch schockt mehr. Wenig Suspense, viele Effekte, viele Zähne, Schlag auf Schlag, wenig Pause. Da komme ich nicht in Stimmung. Schwester 2 hat immerhin ein Albträumchen davon getragen, Schwester 1 hat einmal über ihrem Ben und Jerry-Eis gekreischt. Das wars. Früher war mehr Lametta.

Idylle und Horror

es-pennywise-bill-skarsgard-ballon-rcm672x0u

Irgendwie denke ich bei dem Bild auch immer an Wahlkampf. Wann werde ich endlich wieder normal?

Die letzten beiden Tage waren durchwachsen, gelinde gesagt. Die Krabbe schrie und war renitent – ich vermisse es übrigens wirklich, dass ich sie nicht mehr einfach so wegtragen kann, wenn nötig. Es geht manchmal noch, aber ich habe dann immer das Gefühl, ich breche mir den Rücken. Der Papa schrieb Mails und war renitent und ich auch, und wir schrien uns eine Viertelstunde am Telefon an. Das Wetter war ebenfalls renitent.

Aber es gab auch gute Dinge. Ich habe mich dazu entschieden, einen Vertrag im Yoga-Studio abzuschließen, was sich sehr gut anfühlt. Die Krabbe küsst viel. Der Papa und ich sind immerhin im Gespräch. Das 4,5jährigen-Gespräch in der Kita gab nur Grund zu Stolz und Freude. Und heute scheint die Sonne, und ich werde gleich joggen gehen und morgen eine Bewerbung schreiben. Eine aussichtslose, aber ich werde etwas getan haben. Und dann werde ich in den Schrebergarten fahren.

Heute kommen außerdem beide Schwestern zu mir. Wir werden Pommes mit Pfeffersauce essen, Sekt trinken und ins Kino gehen. „es“ soll uns ordentlich erschrecken. Schwester 2 ist sehr anfällig für Gruseliges, wir müssen sie also beschützen. Danach fahren wir mit dem Taxi zu mir, übernachten alle gemeinsam und es wird vielleicht ein bisschen sein wie in ganz alten Zeiten, in Badenstedt, in unserem ausbauten Resthof.

Ach – so wird es ganz sicher gar nicht sein. Aber das ist auch gut so. Dennoch wird es ein Geschwisterabend. Und das ist auch gut so.

Nach dem Wahlkampf

Was soll ich sagen – das Primärziel ist erreicht, mein Chef ist weiter im Bundestag, mein Vertrag ist verlängert, ich habe noch einen Job (das war tatsächlich noch etwas spannend gewesen während der Auszählung und hätte durchaus schief gehen können). Einer, der mich nicht besonders erfüllt und für den ich überqualifiziert bin und der kollegentechnisch in einem Fall so bescheiden ist, dass meine Stimmung von besagter Anwesenheit nachdrücklich schlechter wird. Erstaunlich eigentlich, diese Wirkung, da ich alle anderen KollegInnen wirklich herzig finde, aber das Negative macht einer halt mehr zu schaffen. Und an dieser Situation wird sich nichts ändern, so viel ist sicher… Was macht man jetzt damit, wo der Adrenalinpegel so rapide sinkt?

  • Überstunden abbauen: etwa 70 Stunden sind das, und noch einige Urlaubstage. Damit lässt sich die Zeit bis Weihnachten schon mal gut überbrücken.
  • Sozialleben wieder ankurbeln, ins Kino gehen, lesen, essen gehen.
  • Berlin besuchen.
  • Bewerben. Ach, gäbe es doch mehr Stellen in meinem Lieblingsbereich! Also warten, auf die perfekte Stelle, und mir die Zeit bis dahin vertreiben mit ein wenig netzwerken und bewerben auf Stellen, die wohl eh nix werden. Aber mal in Schwung kommen ist ja auch prima.
  • Wenn das keinen Erfolg bringt: Stunden reduzieren. Finanziell wäre das okay.
  • Oder schwanger werden. Ach so, da war ja was – das klappt ja schon seit drei Jahren nicht…
  • Das Ehrenamt vorantreiben. Immerhin das ist sicher: ich werde wohl im Februar kandidieren als Vorsitzende der Partei-Frauenorganisation hier im Kreis. Vielleicht werde ich ja so berühmt und mächtig. (Ja nun! Na gut, ich muss selber lachen.) Elternsprecherin bin ich auch wieder.
  • im November nach Lanzarote fliegen. Dummerweise ist der Rückflug mit Air Berlin, die fliegen dann gar nicht mehr. Auch schon wieder so witzig.

Also eher durchwachsen, die Stimmung gerade. Es regnet auch doll und wird heute gar nicht so richtig hell. Aber hey – Hauptsache, es gibt keine Neuwahlen, das kriege ich nicht noch mal hin, so einen Wahlkampf. Gebt alles, Jamaika!

Tagebuch 10/2017

Hui, ich habe Zeit für Tagebuchbloggen, wie schön! Also beantworte ich wie viele andere am 05. eines Monats mal wieder Frau Brüllens Frage: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

06:45 Der Wecker klingelt. D. und die Krabbe ratzen noch in meinem Bett, ich bin des Nachts in D.s Bett geflüchtet vor dem strampelnden Kind und dem schnarchenden Mann und dementsprechend gerädert. Ich stehe auf, mache Kaffee und Milch und schlürfe die ersten Schlucke mit dem Handy vor dem Augen, Nachrichten-Seiten durchscrollend. Dann kredenze ich den beiden Mitschlafenden ihre Heißgetränke im Bett. Die Krabbe greift mit geschlossenen Augen nach der Milchflasche, kuschelt sich in die Decke, wirft sich in meinem Arm und trinkt schweigend. Alle trinken schweigend. Das ist seit vier Jahren so, und ich finde es ganz toll. Danach gehe ich duschen, während D. der Krabbe noch etwas vorliest und sich um ihre Klamotten kümmert. Das Kind hat inzwischen Betriebstemperatur, lacht und sabbelt und springt. Ich noch nicht. Ich packe meine Tasche und los geht’s, leider etwas zu spät. Strömender Regen.

08:10 Die Krabbe und ich steigen in den Bus. 10 Minuten Fahrt, Anschlussbus verpassen, 15 Minuten im Gummistiefelschleichtempo durch den strömenden Regen schleichen, Kind in die Kita-Schlappen überreden, gesammelte Kastanien abgeben, Termin zum Elterngespräch vereinbaren, zwei Abschiedsküsse, weiter geht’s. Ich hole mir beim einzigen Café des winzigen Insel-Stadtteils ein Kartoffelbrötchen und einen Cappuchino und gehe weiter zur S-Bahn. Auf der Fahrt lese ich noch ein wenig Wheel of Time, gerade habe ich einen kleinen Flow. Könnte auch daran liegen, dass das englische, bereits gebrauchte Paperback in meinen Händen fast auseinanderfällt – es leidet sehr an seinem Status als Unterwegsbuch und dem täglichen Rein-in-den-Rucksack-raus-aus-dem-Rucksack-Einkäufe/Regenschirme/Frühstücksbrote-drauf-werfen. Ich muss schnell sein, bevor es komplett zu Staub zerfällt, und habe erst die erste Hälfte der 700 Seiten geschafft. Dann noch ein paar Nachrichten versenden: die Schwestern für limango anwerben, Mittagessen-Verabredung festzurren, den Papa den Termin zum Elterngespräch mitteilen. Die S-Bahn ist rappelvoll und hat Verspätung, die sich zu meiner persönlichen Verspätung höchst entzückend addiert.

09:30 Oah, eine halbe Stunde zu spät im Büro. Die Kollegen haben beide Urlaub, der Wahlkampf-Kater äußert sich bei mir in Energielosigkeit und Halskratzen. Also wird die Arbeit langsam angegangen – Gespräch mit dem Kreisgeschäftsführer, diverse Glückwunschschreiben an den Chef beantworten, Mails sortieren, Schreibtisch aufräumen, die verlängerten Arbeitsverträge nach Berlin schicken.

11:00 Die Mittagessen-Verabredung wird abgesagt und auf morgen verschoben – Zahnarzttermin mit Bohren kommt dazwischen -, ich disponiere um und klinke mich beim bürointernen Nudel-mit-Pesto-essen ein.

12:00 Guten Appetit!

12:10 Die ehemalige Mittagessen-Verabredung meldet sich. Bohren findet doch nicht statt, ob ich noch wolle…? Das ist ja hier wie bei den Hempels unterm Sofa…! Immer diese PR-Leute, ts. Mit vollen Backen sage nun ich ab.

13:00 Es stürmt. Es stürmt so richtig. Es regnet nach oben. Und ich wollte doch heute für den Nach-Hause-Weg die Fähre nehmen. Das wird spannend.

17:00 Nach einigem Büro-Gedängel breche ich jetzt auf nach Hause. Laut WA-Sprachnachricht verlsutieren sich D. und die Krabbe gerade bei Kuchen im Café. Ich persönlich mümmelte Haribos, freue mich aber schon auf eine Käse-Wurst-Brotzeit zu Hause. Der Weg ist klar: U-Bahn (fährt wieder), dann Fähre (fährt aktuell wegen Hochwasser nicht ganz bis zu meiner Haltestelle, das könnte noch eine Busfahrt extra bedeuten, und die Busse haben alle Verspätung), 20 Minuten Fußweg. Das ZEIT-Magazin und die Bücher-Sonderbeilage aus dem Nachbarbüro liegen warm und sicher in meinem Rucksack, um mir den Weg zu versüßen.

18:00 Nach der Fähr- und Busfahrt komme ich pünktlich zu Hause an. Schwaden von Soja-Bolognese-Düfte und eine tränenverschmierte Krabbe, die sich von Zwiebeln nicht schrecken lässt, erwarten mich. Morgen besuchen uns Schwester 1 und ihre Zwillinge, daher wird vorgekocht. Ich betüdele und beschmuse die hüpfende, giggelnde, küssende, reimende, rotzende, schimpfende Krabbe und decke den Tisch fürs Abendbrot.

19:00 Nach dem königlichen Mahl verschwinden D. und die Krabbe im Bad, während ich die Abendessen- und Kochspuren beseitige und in der Küche klar Schiff mache. Wir schauen alle gemeinsam Sandmännchen, und ich lese der Krabbe „Rotkäppchen“ vor. Sie findet im Laufe der weiteren Unterhaltung leider irgendwie heraus, was „Kotkäppchen“ bedeutet und ist danach nicht mehr zu halten vor Glückseligkeit… die werden sich freuen, morgen in der Kita. JEdenfalls wird das weitere Vorlesen durch fäkal orientierte Zwischenrufe von den billigen Plätzen empfindlich gestört. Ich muss sehr viel darüber lachen, aber irgendwann obsiegt die Spannungskurve und es kehrt Ruhe bei den Action-Szenen ein. Messer! Bauch aufschneiden! Steine rein! Tot! Wir legen uns ins Bett, und sie schläft einfach nicht ein. Wichtige Dinge gehen ihr durch den Kopf: wie der Weihnachtsmann die ganzen Geschenke herstellt? Wieso der Wolf bei Rotkäppchen ganz alleine lebt? Warum Elsa und Anna sich wieder vertragen, wird mir in epischer Breite erläutert. Und so weiter und so fort. Nach 45 Minuten gebe ich auf und lasse sie in mein Bett, da schläft sie immer gerne alleine ein.

20:45 Der eigentlich geplante Sport ist wegen Energiemangel nach stundenlangem Herumliegen gestrichen. Ich räume durchs Wohnzimmer (morgen Besuch!), streite mich mit D. wegen Hausarbeit, wir versöhnen uns wieder und ich geselle mich zu der schlafenden Krabbe in mein Bett, während D. sich seiner Playstation widmet. Noch schnell zu Ende bloggen, dann gibt es noch ein wenig Deep Space 9. Klassiker.

Gute Nacht da draußen!

Solidarische Landwirtschaft, KW 40

20171004_145459_HDR.jpg

Hier sieht die geneigte Leserschaft den dieswöchentlichen Anteil aus der Solidarischen Landwirtschaft des Kattendorfer Hofs, für den wir ca 45 Euro bezahlen.

  • ca 3 kg Gemüse, diese Woche habe ich mir ausgesucht einen Kürbis, eine Knolle Sellerie, 2 Stangen Porree, einen Brokkoli, eine Möhre. Dazu gab es noch pro Anteil einen Chinakohl obendrauf, ein Bund Kräuter – in meinem Falle Dill – und 3 Tomaten (mehr durfte ich nicht – die Tomaten neigen sich dem Ende zu).
  • 1 kg Kartoffeln
  • Produkte aus etwa 9 Liter Milch (eigentlich dürfen wir nur 7,5 Liter, aber ich hatte letzte Woche etwas weniger mitgenommen und das diese Woche ausgeglichen): 2 Liter Milch, 120g Butter, Ziegenfrischkäse mit Schwarzkümmel und Honig, Paprika-Tilsiter und Balsamico. Letzterer schmeckt zwar nicht wirklich nach Balsamico, ist aber sehr lecker.
  • Insgesamt 750 g Fleisch: 160 g Filet, 60 g Rindersalami, 80 g Schinken, 350 g Bratwurst. Ich nehme oft etwas weniger mit, da ich Schwierigkeiten habe, den Fleischanteil zu bewältigen. Meine Taktik inzwischen: ich sammele z.B. Hack oder Gulasch, bis ich so viel zusammen habe, dass ich einen großen Topf Gulasch oder Frikadellen oder Königsberger Klopse machen kann. Aber wenn es denn mal Wurst sein soll, darf es eben weniger sein.

Geplante Mahlzeiten: Brotzeiten mit dem Aufschnitt, Soja-Bolognese, Pasta mit Bratwurst und Kohl, Filet mit Broccoli, Kürbis- und-Kartoffel-Ofengemüse. Vielleicht auch noch etwas extra mit dem Kürbis und dem Ziegenkäse, ich lasse mich da mal inspirieren – Flammkuchen? Suppe? Pasta? Mal sehen.

Sehr schön, ich freue mich aufs Kochen und aufs Brot backen. Das kam in den letzten Wochen deutlich zu kurz.