Promibesuch

Ein ganz netter Nebeneffekt meiner Arbeit bei einem Bundestagsabgeordneten, der mindestens so mittelwichtig ist: ab und an kommt Parteiprominenz vorbei und macht eine Veranstaltung mit ihm.

Aus meinen Bundestagsfraktionszeiten kenne ich die Leute von ganz oben zwar schon alle, allerdings meist nur aus den Fraktionssitzungen, und da sitzen 200 Abgeordnete und die Referentinnenbänke sind separat angeordnet, da kommt man sich nicht so nahe. Trotzdem, so ein paar Sitzungen in Bundesministerien oder Parteigremien hatte ich durchaus, bei denen MinisterInnen anwesend waren. So richtig doll aufgeregt ist man dann ziemlich schnell nicht mehr, das Spannendste daran sind meist die PersonenschützerInnen. Die übrigens nicht alle MinisterInnen begleiten: Manuela Schwesig hat generell keinen Personenschutz, FWS (wir wir den Außenminister nennen) immer. Ein Schelm, wer da eine Hierarchie ableitet!

Meine Abgebrühtheit ist im letzten Jahr, so ganz ohne Bundespolitik, etwas abgeflacht, und ich lasse mich inzwischen wieder von der allgemeinen Aufgeregtheit anstecken, wenn ein hohes Tier den Wahlkreis beehrt. So kam zuletzt Peer Steinbrück, quasi zu seinem Bundestagsabscheid. Ach ja, da war ich schon angetan. Ich mochte den schon immer  ganz gerne, er ist recht spritzig und sarkastisch, ich mag das.

Wir organisierten also etwas aufgeregt eine Veranstaltung am heißesten Tag des Septembers, die komplett vom Volk überrannt wurde. Der Mann ist noch gefragt. Er hielt eine gut aufgelegte und feurige Rede für Europa, die Demokratie, gegen einen umfassenden Nationalismus – ich bin immer noch angetan, auch wenn er im Zusammenhang mit jungen Leuten gerne das Wort „fetzig“ benutzte. Das ist schon ziemlich 80er… aber wer weiß, vielleicht war das ganz bewusst und er wollte gerne auf der Retro-Welle mitschwimmen. Schöner Nebeneffekt: Peer Steinbrück fuhr mit der U-Bahn zur Veranstaltung, mein Chef begleitete ihn. Voll volksnah. Ein bisschen unvolksnaher war der Umstand, dass der Wahlkreis-Haus-und-Hof-Fotograf beide begleitete, aber: wir haben jetzt tolle Fotos vom Chef und Peer Steinbrück, volksnah in der U-Bahn. Das ist viel wert.

War ein gelungener Tag.

Schwere Post

Yeah, die komplette Reihe Wheel of Time! Das sollte an Lesefutter reichen für die nächsten – hm, Jahre? Auf englisch sowieso, da bin auch ich Schnellleserin im Tempo gemäßigt. Danke an alle Kommentatorinnen, die Tipps gegeben haben! 

Mal sehen, ob ich es mag. Ich habe einfach mal die gebrauchte Gesamtausgabe gekauft, ohne auch nur eine Seite testgelesen zu haben. War ein Schnäppchen, kann man nix machen!

Wenn ich es mag, muss ich nicht nur echt viel lesen, sondern außerdem nun wirklich mal das Projekt „Regalwand“ im Wohnzimmer starten. Die Bücher stapeln sich schon jetzt haufenweise auf dem Expedit-Regalen, die zweireihig bestückt sind.

Eine Kostenfalle, dieses Lesen.

Arbeit – es wird spannend

In den absoluten Untiefen der Politik, in den Distrikten, Ortsvereinen, Abteilungen, wird langsam der Bundestagswahlkampf vorbereitet. Pro Wahlkreis und pro Partei wird eine Person für die Bundestags-Kandidatur aufgestellt, der oder die sogenannte Direktkandidat/in, die man mit der Erststimme wählen kann. Wer den Wahlkreis auf diese Weise direkt holt, ist Abgeordnete 1. Klasse im Bundestag, im Gegensatz zu den Bemitleidenswerten von den Landeslisten. Hier ist viel Prestige zu holen, und so ist es nicht verwunderlich, dass schon jetzt mit harten Bandagen gekämpft wird. Alleine bei der Frage, wer in den hiesigen Wahlkreisen jeweils direkt kandidieren wird, sind bis jetzt schon Köpfe gerollt, haben sich Einzelne ins Spiel gebracht und etliche zurück gezogen (und man kann nur erahnen, was ihnen für den Rückzug versprochen wurde). Die Kandidatur für die Kandidatur ist ein hartes Brot.

Mein Chef ist im Prinzip gesetzt, es gibt keine Gegnerin. Sein Wahlkreis gewinnt unsere Partei traditionell direkt, er ist einigermaßen präsent auch in den überregionalen Medien, das sollte klappen. Und dennoch, bevor die Vertreterinnenversammlung des Kreises ihn nicht als Kandidaten gewählt hat und damit die letzte formale Hürde genommen ist, wagt niemand, sich allzu sicher zu wähnen. Es ist schon vorgekommen, dass durch putschartige Aktionen noch auf Vertreterversammlungen das Blatt gewendet wurde.

Sobald er also hoffentlich Anfang November als Kandidat fest steht, geht die Strategieplanung in die nächste, die konkrete Phase, bis im Juli dann der wahre Wahlkampf beginnt. Ich habe mich bereits als Bürotante angeboten – das direkte Gewühle an Infoständen und Haustüren ist nicht unbedingt mein Begehr, so lange das jemand anderes machen möchte: bitte, danke!

Aber natürlich werde ich alles geben, nicht nur aus Loyalität. Mein Arbeitsvertrag ist befristet. Bis September 2017. Wenn mein Chef dann nicht wieder gewählt wird, bin auch ich draußen.

Sprachlos

Schon spannend, so etwas, wenn man in einer hormonell empfindlichen Phase ist: wie Männer dann wirken.

Bei den allermeisten Menschen kann ich mir gut vorstellen, was man an ihnen attraktiv finden könnte, und das betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Fast jede und jeder, die ich kenne, hat Eigenschaften und optische Attribute, die mit ein wenig Verzauberungswillen bestimmt bei einigen Menschen Herzklopfen auslösen können. Das finde ich schön. Ich selber bin weder eine klassische Schönheit noch ein niedliches Ding, ich bin also auch darauf angewiesen, dass meine enorme Attraktivität auf den zweiten Blick erkannt wird.

Ab und zu treffe ich allerdings auf Menschen, bei denen ich nichts erkenne. Gar nichts. Die eine solche Langeweile ausstrahlen, dass ich nicht mal Lust habe, mit denen gemeinsam eine kurze Unternehmung wie etwa einen Gang zum Supermarkt zu machen – weil mir einfach nichts einfällt, was ich mit denen besprechen könnte und ich vor lauter Langeweile-Ausstrahlung exakt 0,0 Motivation habe, mir etwas zu überlegen. Das erschüttert mich, denn ich bin eine große Ausüberin des Small- und Big Talkes. Nicht immer elegant, aber meistens einigermaßen unterhaltsam, zumindest für mich. Darauf bin ich recht stolz, und das ist mir wichtig. Denn bis zu meinem Studium, das mich endlich in erfolgreich sozialisierte, bekam ich nie den Mund auf – dann begann ich in einem Call Center zu arbeiten und zu kellnern und wurde ein gesprächiges Ding. Ich habe mir das hart erarbeitet, es ist nicht selbstverständlich für mich, ich habe meine Komfort-Zone sehr bewusst erweitern müssen.

Umso erschütternder, dass es Menschen gibt, die mich in die schon fast vergessene pubertäre Maulfaulheit zurückfallen lassen. Und umso erstaunlicher für mich, dass diese Menschen Dates hatten. Erfolgreiche Dates. Meine Fantasie versagt komplett bei der Vorstellung, diesem Menschen gegenüber zu sitzen und den Gedanken zu haben: „Wow, was für eine coole Person!“ Alleine bei dem Gedanken werde ich schläfrig.

Aber Gott sei Dank findet irgendwie jeder seinen Deckel. Wäre ja auch langweilig, wenn ich wirklich an jedem Menschen auf Anhieb etwas Tolles finden würde – und wäre ja auch langweilig, wenn meine Ansprüche die allgemein gültigen wären.

 

Das Übernachtungskind

Na KLAR kann Krabbes Kita-Freundin von Sonntag auf Montag bei uns schlafen! So ich vor einer Woche. Die Kleene war schon einige Male bei uns, ein unkompliziertes Kind, und die Mama hatte einen Betreuungsengpass. Die spielen nett, wir essen Nudeln ,sie können gemeinsam in meinem Bett schlafen und in der Früh bringt D. die beiden in die Kita.

Haha!

Also. Die Krabbe war trotz aller Vorfreude extrem gestresst, als ihre Freundin in der Wohnung war. Draußen ging es gut, aber drinnen… Ungefähr wie ein sehr schlechter Tag in der Trotzphase. Fürchterlich. Reviererhaltungsbestreben at its worst. Aber gut, das ist halt anders als Playdates im Sommer, müssen sich alle dran gewöhnen. Ich war trotzdem erschöpft.

Die Nacht war dann unruhiger als mit einer Neugeborenen. Irgendjemand hustete immer, brauchte Wasser, fühlte sich kalt oder beengt… ich rotierte. Und war noch erschöpfter.

Nach etwa drei Stunden Schlaf stand das Besuchskind um 6 Uhr fit wie ein Turnschuh im Bett und wollte. Spielen. Spielen! Daran ist ja nichts Verwerfliches, aber ich kenne das anders. Die Krabbe muss meist um 7.15 Uhr geweckt werden, und dann trinkt sie schweigend im Bett neben mir, ich mit meinem Kaffee, ihre Milch. Manchmal richtet sie dann drei Worte an mich und muss irgendwann aus dem Bett gezerrt werden. Das war heute anders. Gelinde gesagt. Ich war noch nie in meinem Leben so erschöpft.

Um 8.20 stand ich mit sehr tiefen Augenringen an der S-Bahnstation. Die Bahn fuhr nicht. Tut sie immer noch nicht.

Ich gebe auf, der Tag hat mich bereits jetzt besiegt. Es ist 08.49 Uhr. 

Karaoke – Plan und Wirklichkeit

Das war die Idee: mit der Bürogemeinschaft Donnerstags was trinken gehen, zur Karaoke-Bar weiterziehen und Freitag gemeinsam im Büro ausnüchtern.

Das kam dabei heraus: nach der Weinbar folgte eine ausgedehnte Kneipenhopping-Tour mit sehr vielen Kurzen (und das mir, die nach zwei Gläsern Weißwein den ganzen nächsten Tag sehr leidet), ich kam nie in der Karaoke-Bar an, fiel auf dem Heimweg betrunken vom Fahrrad, prellte mir dabei diverse Körperteile, beschädigte mein Fahrrad relativ doll, verlor am nächsten Tag meine Stimme und einen Kollegen an die Elternzeit. Wenn ich mal was trinken gehe…

Aber ansonsten ging es mir gut, einen Kater hatte ich nicht nach nur fünf Stunden Schlaf . Wirklich erstaunlich. Dennoch: so verlustreich und schmerzvoll, vor allem gesundheitlich, war ich noch nie feiern. Die Rekonvaleszenz wird etwas länger dauern als nach nur zwei Gläsern Weißwein.

Zusammenleben und Urlaubserkenntnisse

Ich finde die Idee der Kleinfamilie, die so für sich in ihrer Wohnung sitzt, wirklich absurd, seit ich ein Kind habe.

Das hat sich in dem Urlaub mit meinen Schwestern und deren Familien, wo wir als Großfamilie eine Woche herumtüdelten, mal wieder bestätigt. Die Kinder waren sehr viel freier, bekamen insgesamt mehr Aufmerksamkeit, rannten miteinander herum und ich als Erwachsene war sehr viel entspannter, weil nicht die komplette Aufmerksamkeit meines Kindes auf mir lag. Und wenn doch und ein Wutanfall sich anbahnte, dann half es für das Wohlbefinden enorm, dass einfach andere Erwachsene da waren, die auch lakonisch die Augenbrauen hochzogen und anmerkten „Na ja, dann ist das jetzt eben so.“ Meine Güte, hilft so etwas! Und jedes Elternteil konnte so seine Lieblingssachen mit dem Kind machen und einfach mehrere Kinder mit einbeziehen, wenn möglich. Das funktionierte erstmal eher rudimentär, weil die Altersspanne der vier Kinder zwischen knapp 2 Jahren und 5 Jahren bisher noch nicht unendlich viele Möglichkeiten bot, aber erste Ahnungen von solch einer Aufteilung gab es schon. Das nimmt Druck, das nimmt Eltern-Einsamkeit, das nimmt Stress, das nimmt schlechtes Gewissen á la „Oh je, ich bastele nicht gerne, das kann ich meinem Kind nicht geben, ich schlechtes Elter!“ Kann dann ja jemand anders machen, das Basteln, während man selbst dann einen Kuchen mit den Kleinen backt.

So stelle ich mir vor, dass man bis vor etwa 100 Jahren Kinder großgezogen hat. Ich finde das eine enorm gesunde und kräfteschonenede, also insgesamt menschenfreundliche Art des Zusammenlebens. Und vor allem ist es keine mutterzentrierte Form. Niemand muss sich aufopfern, kann nichts anderes mehr tun als betreuen, muss Hausfrau sein – das verteilt sich auf mehrere Schultern. Als Fazit für mich bleibt da nur übrig: die Hausfrauen-Mutter ist keineswegs ein traditionelles Modell, und schon gar nicht ein natürliches Modell. Sie ist eine Idee der Neuzeit, und zwar eine absolut beknackte Idee. Menschen sind Herdentiere, und kleine Menschen profitieren von einer Herde mehr als von einer 1:1-Situation mit einer Mutter. Wir leben allerdings nicht mehr in Herden. Bis ich ein Kind hatte, fand ich das auch ganz prima. Jetzt gerade wäre es aber die passendere Lebensform.

Die Kita ergänzt immerhin einen Teil unseres Kleinfamilienlebens durch eine Art Herde. Ich habe deshalb überhaupt kein schlechtes Gewissen, mein Kind in der Kita zu lassen – sie ist für mich ein wenig die Erweiterung, die ich wegen mangelnder Möglichkeiten zum Leben in der Großfamilie nicht habe.

Ob es solche Möglichkeiten geben könnte, kann ich nicht sagen. Sicher, Wohnprojekte bilden einen Schritt in diese Richtung ab, aber einen gemeinsamen Alltag hat man dann doch nicht. Und tatsächlich – wenn keine kleinen Kinder da sind, bin ich auch gerne für mich in meiner Kleinfamilien-Wohnung, ohne dauernde Beschallung durch andere. Im Prinzip ist das Herdenleben also etwa 15 Jahre in meinem Leben eine sinnvolle Option. Und genau in dieser Zeit genau die Leute zu haben, die ähnliche Vorstellungen haben und mit denen man sich Zusammenleben vorstellen kann, inklusive des richtigen Wohnraums, ist gelinde gesagt herausfordernd in einer Gesellschaft und einem Wohnungsmarkt, die auf Kleinfamilien zugeschnitten sind.

Wenn ich sehr spinnerig werde, stelle ich mir daher staatliche Siedlungen vor. Große Häuser, in denen mehrere Familien leben können, in denen man nur wohnen kann, wenn man Kinder zwischen 0 und 18 (?) Jahren hat. Mit einem eigenen Bad, aber mit gemeinsamer Küche und Wohnzimmer. Wenn die Kinder alt genug sind, etwa eine Ausbildung beginnen, kann man entweder als Pärchen oder Single in angegliederte Wohnungen ziehen, die kleiner und separierter sind oder aber mit mehreren Menschen in wiederum WG-günstig geschnittenen Unterkünften leben. Sozusagen eine flexible Wohnsiedlung, in der man je nach Lebensphase die Wohnung und deren Größe bedürfnisgerecht wechseln kann, aber trotzdem innerhalb der Gemeinschaft oder Gruppe bleiben kann, an die man gewöhnt ist, bis ins hohe Alter und zu vernünftiger Miete.

Das fände ich schön.