In eigener Sache

An alle, die in der Zwischenzeit versucht haben sollten, mich per Handy zu erreichen – ich habe es vor zwölf Tagen in einem Bangkoker Taxi liegengelassen und nie wieder gesehen.

Also bitte nicht wundern, falls ich nicht geantwortet haben sollte. Bin bald wieder da und bitte alle um ihre Handynummern, sobald ich ein neues Gerät habe.

Reisebericht Thailand, Teil 3: Korat und Khao Yai Nationalpark

Die restliche Zeit in Korat verläuft gemächlich. Wir gehen abends ins Kino, ein Multiplex-Monster in einer unfassbar großen und schicken Mall, in deren Foodcourt wir ungemein gut speisen. Das ist mein ganz persönlicher Thailand-Effekt: bei mindestens der Hälfte aller Essen habe ich das Gefühl, die beste Entscheidung aller Zeiten mit ebendiesem Gericht getroffen zu haben, da es offensichtlich die beste Mahlzeit weit und breit ist. Ich mag dieses Gefühl ja sehr!

Wir schauen uns Split an, auf englisch mit thailändischem Untertitel. Von den Untertiteln abgesehen unterscheidet sich Kino in Thailand nicht von dem in Deutschland, vor dem Film gibt es lediglich mehr Trailer und die Königshymne, ein sehr schwülstiger, pompöser Song zum lange abgebildeten Konterfeit des neuen Königs, bei dem alle Besucherinnen sich von ihren Sitzen erheben (Achtung, generisches Femininum! Hier könnte es tatsächlich mißverständlich sein, aber es erhoben sich auch die Männer). Der Film war dann auch okay, definitiv ein schöner Abend.

Am nächsten Tag macht D. sich mit einem Mietwagen auf in einen nahegelegenen Nationalpark, ich faulenze auf der Dachterrasse des Hotels und verlasse dieses nur zur Abholung der Bahntickets für den nächsten Tag. Weiterlesen

Reisebericht Thailand: Korat

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Korat

Korat, oder auch Nakhon Ratchasima, ist eine Stadt nordöstlich von Bangkok. Kleiner als Bangkok, aber doch recht groß – und das Tor zum Isaan, der ärmsten Region Thailands. Ich habe das Öfteren gelesen, dass die meisten Ehefrauen von Westlern aus dieser Region stammen – ob es stimmt, weiß ich nicht. Fakt ist, dass hier enorm wenig Westler zu sehen sind.

Aber von Anfang an. Wir verließen Bangkok per etwas klapperigem Überland-Bus, der das Label VIP trug, aber seine besten Zeiten eindeutig hinter sich hatte. Etwa vier Stunden Fahrt brauchte das Gefährt, um Korat zu erreichen, die meiste Zeit schnaufte es in gefühlter Schrittgeschwindigkeit leichte Steigungen hinauf. Die Stadt liegt auf einem Hügelplateau, was sich auch am Klima feststellen lässt. Angenehm warme, nicht heiße Temperaturen erwarteten uns, mit einer wunderbar leichten Brise, als wir dem Bus entstiegen. Weiterlesen

Reisebericht Thailand, Tag 1-4

Es folgt: eine Reisebericht. Wen das nicht interessiert, überspringe bitte diesen Text! Ist aber immerhin mit Fotos.

Nachdem ich die Krabbe am Montag in die Kita gebracht hatte, verbrachte ich einen relativ entspannten Pack- und Putztag zu Hause, und gegen halb vier nachmittags brach ich mit D. dann zum Flughafen auf. Eine etwas irre Car2go- und ÖPNV-Kombi später hatten wir unser Gepäck aufgegeben und flogen zunächst nach Istanbul. Ich war ziemlich gerädert, die Nacht zuvor hatte ich nicht gut geschlafen, und natürlich machte ich auch kein Auge zu, bis wir in Istanbul aus dem Flieger stiegen und zum Glück nur 1,5 Stunden auf den Anschluss nach Bangkok warten mussten. Auf den folgenden neun Stunden Flug konnte ich zumindest etwas dösen, dennoch war ich erschöpft, als wir um 15:30 Uhr Ortszeit in Bangkok ankamen. Die Hitze, die uns entgegenschlug, war einerseits körperlich frappierend – immerhin fast 40 Grad Temperaturunterschied zu Hamburg- , andererseits herrlich. Schon am Flughafen hatte ich mir euphorisch meine Thermoleggins und meine Strickjacke vom Leib gerissen, so dass ich sommerlich gekleidet war. Schon schön, so 30 Grad im Februar!

Per Taxi (in dem ungefähr 18 Grad herrschten, ich wollte meine Thermoleggins wieder) fuhren wir in unser Guesthouse, das Lamphu House in der Nähe der Khao San Road.  Weiterlesen

Vorherrschendes Gefühl…

… in Thailand bis jetzt: Wie bescheuert kann man sein, ohne sein Lieblingskind so lange zu verreisen? 

Es war allerdings auch ein sehr frustiger Tag, ich leide außerdem noch etwas unter Jetlag, es sind alles gute Voraussetzungen, um auf hohem Niveau zu jammern. Dazu eventuell später mehr. Aber ich bin insgesamt erstaunt, dass sie mir viel mehr fehlt, als wenn der Papa die Krabbe so lange mitnimmt und ich ohne sie zu Hause bin. Ich hätte gedacht, bei so vielen Eindrücken  und der Gelegenheit zu Erwachsenen-Aktivitäten ist alles easy peasy. Und dann sitze ich in den Bars und in Restaurants, wo ich in ganz in Ruhe essen kann, und im Garten des Guesthouses, wo ich ganz in Ruhe lesen kann, und in den Tuktuks und Taxen und Flugzeugen, völlig unbehelligt. Und denke die ganze Zeit daran, wie viel Spaß sie hätte und wie sie mir von der Seite ununterbrochen Dinge erzählt und auf mir rumhopst und ab und zu rumjault und abends im Guesthouse-Bett schläft, während ich seufze, dass ich nicht in eine Bar kann, und hab bei dem ganzen Denken Pipi in den Augen. Andere Eltern mit ihren Kindern erzeugen gerade heftigste Neidgefühle in mir. Ich trau mich auch keinen Videoanruf bei meiner Tochter, nicht, dass ich am Ende weinen muss (!!!!). (Ich bin echt nicht so die Weintypin, ich bin erstaunt über mich. Geht es emotionalen Menschen IMMER so? Das ist total anstrengend!)

Ich hätte es wissen müssen, das zeichnet sich schon länger ab: Je älter die Krabbe wird, desto mehr schaffen es die mütterlichen Gefühle, mich zu überwältigen. Wenn das so weitergeht, wird es definitiv hart, wenn sie sich irgendwann loslösen wird, und die Pubertät erst, oh mein Gott. Und wenn sie auszieht…! Ich darf gar nicht dran denken.

Eigentlich wollte ich übrigens einen Reisebericht schreiben. Kommt bestimmt noch!

Tagebuch 02/17

Heute versuche ich mich endlich mal wieder an Frau Brüllens Tagebuchbloggen. Was machst du eigentlich den ganzen Tag?, ist die Leitfrage. Einiges! ist die Antwort.

07:15 Weckung durch die Krabbe, die wie immer in den letzten drei Monaten nachts zu uns gekommen ist. Das geht so: Gewälze, dann nach ein paar Minuten das genölte: „Mama, wann holst du mir ENDLICH Milch?“ als Morgengruß. Das Positive: wenn ich der Krabbe Milch mache, mache ich außerdem Kaffee. Wir schlürfen vereint im Bett. Die Krabbe bekommt „Cowboy will nicht reiten“ vorgelesen, dann übernimmt D. mit dem Flunkerfisch, Silvester-Fotos angucken und NOCH ein Buch. Ich gehe duschen, denn ich muss noch ins Büro. Die alljährliche Büroklausur mit dem Berliner Büro steht an.

Im Schlafzimmer wird nach meiner ausgiebigen Dusche immer noch vorgelesen. Kein Wunder, das Buch hat 69 Seiten, ich hatte gestern auch das Vergnügen… Wird Zeit, dass das Kind lesen lernt. Ich smse kurz mit dem Büroleiter und decke dann den Frühstückstisch.

08.25 Wow, ich bin die erste bei Frau Brüllen! Der Tag kann nur noch schlechter werden. (edit 15.30: jetzt nicht mehr /o\ was ist da passiert? Egal. Ich krieg gleich Kuchen.)

Nach dem Frühstück will die Krabbe auf der Tafel malen. Mit Benjamin Blümchen hören und zwei Erwachsenen als Publikum. Quasi ein Happening. Das Ergebnis ist dann auch abstrakt:

10.00 Ich verlasse das Haus. Bus, Bahn, Bus – am Wochenende fährt die Fähre nicht. Ich nutze die Zeit, um ein paar Seiten des zweiten Bandes der „Eye of the World“-Saga zu lesen. Erfreulicherweise ist das etwas ermüdende protagonistische Dörfer-Ablaufen des ersten Bandes beendet, und langsam wird es politisch. Da habe ich Spaß, bei Politik.

15.15 Die Büro-Klausur ist zu Ende (die Bundestagswahl ist quasi schon gewonnen, ist mein persönliches Fazit), ich verabschiede mich in den Urlaub und schwinge mich frohgemut in den Bus, um zu Schwester 1 zu fahren. Dort warten bereits D. und die Krabbe auf mich – mein Vater und Schwester 2 samt Sohn haben grippebedingt leider abgesagt. Aber immerhin kann ich vor dem Abflug nach Thailand nochmal Schwester 1 plus Mann und Zwillingen sehen.

Die Kinder spielen herrlichst miteinander, die Erwachsenen schnacken, essen Kuchen und trinken Kaffee. Läuft.

17.15 Wir reservieren uns ein car2go und brechen langsam auf. Dieses carsharing ist himmlisch: 20 Minuten Heimweg statt 45 Minuten mit drei Mal umsteigen. Kostet aber halt 6 Euro, der Luxus dieser einen Fahrt… Auf dem Heimweg verputzt die Krabbe noch ein Stück Kuchen und die Rohkostsnacks. Logischerweise verschmäht sie dann das Abendessen, Ofengemüse. Na ja, darf mal sein, so ein Tag. Dafür malt sie beim Abendessen ein recht schönes Bild. Alles eine pädagogische Minusleistung! 

18.45 Ich verfrachte die Krabbe ins Bad und fülle das Waschbecken mit warmen Schaumwasser. Damit spielt die Krabbe gerne, so dass mindestens die Hände nebenbei sauber werden. Ich gehe in ihr Zimmer, um die Klamotten für morgen rauszusuchen. Als ich wieder ins Bad komme, hat die Krabbe sich von oben bis unten eingeschäumt. Solche eigenständigen Aktionen kommen recht selten vor, weshalb ich mich sehr freue, pädagogisch wertvoll auch laut und deutlich (ich muss das Abendessen ausgleichen). Gerade die Unterhosenzone hat es olfaktorisch oft nötig, gefeudelt zu werden, was die Krabbe aber meist nicht mag. Umso schöner, wenn es mal freiwillig klappt. 

Ich übergebe an D. zum Vorlesen und ins Bett bringen und mache noch etwas Sport, was Entspanntes.

Dann ist Feierabend. Eventuell packe ich noch etwas für den morgigen Abflug nach Thailand, aber den Großteil erledige ich morgen. Ich habe frei und der Flieger geht erst um 18 Uhr… Also nur die Ruhe.

Einen schönen Abend allerseits!

Vorauseilende Nostalgie

Die Krabbe ist auf dem Kindergeburtstag einer Freundin – „Ohne Eltern!“ mal wieder. Ich sitze also faul auf dem Sofa herum und trinke Kaffee, mache gleich noch Sport und hole sie dann ab. So groß, das Kind…!

Und ich habe arge Vorfreude, vor allem wenn ich Blogs von Müttern mit richtig großen Kindern lese wie den von Jademond. Auf die Zeit, in der ich die Krabbe fragen werde: „Ach, du willst heute Abend zum bouldern? Mit Freunden oder wollen wir beide zusammen gehen?“ und sie dann grinst und sagt: „Ich nehm dich mit, Mama. Du sollst ja nicht einrosten auf deine alten Tage“, oder ähnlich respektloses. Oh, mir wird warm ums Herz.

(Gut, das Szenario ist etwas voraussetzungsvoll. Ob ich oder meine Tochter in 11 Jahren bouldern werden, bleibt abzuwarten. Dass wir dann beide auch noch Lust auf einen gemeinsamen Abend mit Sport haben, ist auch nicht selbstverständlich. Aber es würde mich sehr freuen, wenn wir später ein solches Verhältnis haben.)